Hunde

Unsere Hunde

Chica

Podenco / Pointer Mix – Geb. ca. 2005

Kam auf den Hof am 29.08.2009

Chica-gemütlich-2

Chica ist ein Podenco, sie kommt von der Spanischen Insel Fuerteventura. Sie lebte dort zusammen mit ihrem Bruder Chico, bei einem Jäger. In Spanien gelten Podencos nicht als Haustiere, sie werden nur in der Jagdsaison benutzt. Die übrige Zeit verbringen sie an kurzen Ketten, ohne Schutz vor Sonne, Wind und Wetter. Mehr schlecht als recht werden sie mit Futter und Wasser versorgt. Gerade so, dass sie bis zur nächsten Jagdsaison noch am Leben bleiben. So erging es auch Chica und Chico. Sie fristeten ein erbärmliches Leben an einer kurzen Kette. Kannten keine Zuwendung, wussten nicht, dass Menschen gut sein können.

Chica und ihr Bruder Chico müssen schlimmes bei dem Jäger durchgemacht haben. Sie waren beide vollkommen abgemagert, verängstigt und von Narben gezeichnet. Der Tierhilfe Fuerteventura gelang es schließlich beide Hunde freizukaufen. Sie wurden nach Deutschland ausgeflogen und kamen gemeinsam auf eine Pflegestelle.

 

Chico wurde bald vermittelt. Seine Schwester Chica entpuppte sich als unvermittelbarer Angsthund. Sie war ein nervliches Wrack, hatte kein Vertrauen, zu nichts und niemanden. Wenn sich ihr ein Mensch näherte, pinkelte sie vor lauter Angst unter sich. Sie ließ sich nicht anfassen, ducke sich oder wich aus. Außerdem traute sie sich nicht zu fressen. Da musste es eine falsche Verknüpfung mit Futter bei ihr gegeben haben. Vielleicht wurde sie auch mal mit Futter eingefangen und man hat ihr dabei weh getan. Auf der Pflegestelle war zu viel Trubel für das verstörte Tier. Dort konnte sie keine Fortschritte machen.

Chica auf der Pflegestelle

chica-a-spanien

Als ich Chica zu mir nahm, war sie bereits seit 1 1/2 Jahren auf der Pflegestelle. Niemand wollte diesen Angsthund haben. Sie hatte nichts dazu gelernt und ihr Verhalten hatte sich nicht gebessert. Chica kannte gerade mal ihren Namen, das war es aber auch. Vor lauter Angst war sie nicht in der Lage zu lernen.

So mager war der Hund, als er auf unseren Hof kam.

Chica-06.12.09

Die Ruhe und die immer gleichen Abläufe ließen Chica bei uns endlich zur Ruhe kommen. Im Haus konnte sie sich sehr schnell entspannen. Draußen machte ihr aber alles Angst. Darum waren Spaziergänge am Anfang schwierig. Wenn uns ein Auto entgegen kam, sprang der Hund vor lauter Panik in den Graben. Sie traute sich nicht an Menschen vorbei zu gehen. Hörte sie eine Männerstimme, brach Chica in Panik aus. Bei Gewitter oder wenn  Jäger in der Nähe waren, weigerte sie sich das Haus zu verlassen.

chica-21-05-2012

Mit viel Ruhe und Geduld gelang es mir, eine Blockade nach der anderen bei Chica aufzulösen. Sie machte langsam Fortschritte und verstand, dass ein Mensch mit ihr kommunizieren konnte. Das war ein wahrer Durchbruch, denn nun konnte ich ihr etwas beibringen. Sie lernte gern und schnell. Natürlich ganz ohne Druck, nur mit positiver Verstärkung. Nach einer Weile beherrschte sie alle gängigen Kommandos die ein gut erzogener Hund so kennen sollte. Sie kann heute auch ein paar Kunststücke und etwas Fährtenarbeit. Versteckte Sachen suchen und wieder bringen. Aufgaben erledigen und Lösungen selber finden haben ihr das Selbstvertrauen zurück gegeben.

Immer wieder fiel sie in ihr altes Verhalten zurück. Mal war der Auslöser ersichtlich, mal nicht. Besucher waren anfangs ein großes Problem. Chica konnte keine Besucher ertragen, da sie keinem Menschen außer mir über den Weg traute. Zeitweise musste ihr Geschirr anbleiben. Weil es zu viel Stress für den Hund war das Geschirr an- und ausgezogen zu bekommen.

chica-03-02-2012

Das alles hat sich sehr gebessert. Chica freut sich heute über Besucher und ist ein entspannter und sicherer Hund geworden. Ich weiß aber auch was ich ihr zumuten kann. Sie braucht ihren gewohnten Tagesablauf, ihre vertraute Bezugsperson und einen ruhigen Rückzugsort im Haus. Darum ist Chica unvermittelbar und wird für immer auf dem Gnadenhof bleiben.


 

Campa

Ratonero Bodequero Andaluz Mix – Geb. ca. 2007

Kam auf den Hof am 06.04.2010

Campa ist ein Ratonero, ein spanischer Terrier, der zum Rattentöten gezüchtet wird. Diese Hunde haben die Aufgabe spanische Weinkeller Mäuse- und Rattenfrei zu halten. Dabei arbeiten sie vollkommen selbstständig, sind mutig, intelligent und haben ein ruhiges Wesen. Sie sehen zwar einem Jack Russle Terrier ähnlich, sind aber nicht mit ihm verwandt.

Campa lebte in Spanien auf der Straße. Ob sie mal ein Zuhause hatte wissen wir nicht. Wobei das Zuhause spanischer Hunde nicht mit unseren Verhältnissen zu vergleichen ist. Die Hunde leben nicht mit ihren Menschen im Haus. Sie werden draußen angekettet oder leben in Verschlägen. Es ist auch sehr beliebt den Hund auf einen winzigen Balkon zu halten. Dort bleibt er sein Leben lang, denn spazieren geht niemand mit ihm.

Vielleicht hatte Campa auch mal so ein „Zuhause“ und ist einfach abgehauen. Denn Campa kann über jeden Zaun klettern. Egal wie hoch der ist. Und sie kann jedes Problem lösen und sich wunderbar selbst versorgen. Sie braucht dazu keinen Menschen. In Spanien hat sie mit anderen Hunden zusammen in einem alten Steinhaus gelebt. Tierschützer wurden auf sie aufmerksam. Sie fütterten die Hunde jeden Tag, aber es gelang ihnen nicht Campa einzufangen. Da das Leben auf spanischen Straßen sehr gefährlich für die Hunde ist, versuchten die Tierschützer es weiter.

Campa war schnell und misstrauisch. Doch dann gelang es sie einzufangen. Die Tierschützer brachten sie in die Auffangstation in der Nähe von Barcelona. Campa musste nun mit hunderten anderer Hunde zusammen leben. Der ständige Lärm und die Hektik setzten der Hündin sehr zu. Als dann noch ihre Freundin, eine große schwarze Hündin nach Deutschland vermittel wurde, verlor Campa jeden Lebensmut. Sie legte sich in das Auto der Tierschützer und kam dort nicht mehr raus.

Campa litt still vor sich hin.

dscn0858

Sie kam nur noch zum Häufchen machen und ab und zu zum Fressen aus dem Wagen.

dscn0855

Die Tierschützer baten mich Campa zu mir zu nehmen, da sie sich aufgegeben hatte. Ich nahm die Hündin auf Pflegestelle. Wollte sie eigentlich vermitteln, wenn sie sich erholt hatte. Die erste Woche nach ihrer Ankunft lag Campa nur auf ihrem Bett und interessiert sich nicht für ihre Umwelt. Sie schlief die meiste Zeit, so fertig war der Hund. Wenn sie wach war, schaute sie als ob sie Depressionen hätte. Nicht einmal die Wohnung wollte sie erkunden. Sie blieb immer nur auf ihrem Bett in der Küche liegen.

campa-kissen-nah

Es stellte sich raus, dass Campa total traumatisiert war. Nachdem sie eine Woche beinahe durchgeschlafen hatte, taute sie langsam auf. In gleicher Weise wie sie auftaute, begann sie in ihre altes Straßenhundeleben zurückzukehren. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch Hühner auf dem Hof und Campa tötete eins von ihnen. Sie wartete dafür einen geeigneten Moment ab. Kletterte über den Zaun und packte das Huhn blitzschnell.

Das gefährliche an Campa war ihre Jagdtechnik. Sie hetzt kein Tier, sie wartet auf den richtigen Moment und packt blitzschnell zu. Ungefähr so wie Katzen jagen, muss man sich das vorstellen. Vorher sieht man dem Hund nicht an, dass er im Jagdmodus ist. Campa steht einfach so da, vollkommen uninteressiert sieht sie aus. Aber wenn z.B. ein Vogel unvorsichtigerweise zu tief über ihren Kopf fliegt, wars das mit ihm. Oder wenn eine Maus unter der Erde piept, wars das mit ihr. Das geht so schnell, man bekommt es erst mit, wenn es zu spät ist.

Dieser Hund konnte also nicht einfach so nebenbei mitlaufen. Man konnte Campa auch nicht mal eben im Garten parken. Sie brauchte wirklich verantwortungsbewusste Halter, die den kleine süßen Terrier nicht unterschätzten. Leider gab es die nicht. Niemand wollte so einen Problemhund haben. Also blieb Campa auf dem Gnadenhof.

Campa-Rasen-4

Mittlerweile habe ich ihr das Jagen abtrainiert. Sie muss aber trotzdem immer unter Aufsicht bleiben, sonst würde sie in alte Verhaltensweisen zurückfallen. Denn Campa weiß ganz genau, dass sich sich auch selbst ernähren könnte. Trotzdem gefällt es ihr heute, dass sie versorgt wird und der Napf zweimal täglich gefüllt vor ihr steht. Aber brauchen täte sie es nicht. Sie käme auch allein klar.


 

Giada

Maremmano Mix – Geb Juni 2016

Kam auf den Hof am 22.04.2017

Giada saß in einem Tierheim auf Sardinen. Dort sitzen Haufenweise Maremmanos und andere Hunde in kleinen Zwingern. Sie müssen ihr ganzen Leben in der Eintönigkeit des kargen Tierheimes verbringen. Ohne Ansprache, ohne Zuwendung, ohne jemals Gras unter den Pfoten gespürt zu haben. Die Welpen haben kein Spielzeug, keine Beschäftigung. In Italien werden die Hunde verwahrt und kommen nie wieder raus aus dem Tierheim.

Giada wurde mit ihren sechs Geschwistern ausgesetzt. Als man sie fand, waren sie erst wenige Wochen alt. Kleine Fellknäule, denen das Leben nicht gegönnt sein sollte. Ein Welpe starb tatsächlich, doch die anderen sechs Geschwister wuchsen und wurden immer größer und kräftiger.

Giada1

Ich wurde auf das Schicksal der Herdenschutzhunde auf Sardinien aufmerksam gemacht. In dem Tierheim sitzen an die 700 Hunde, worunter sehr viele Maremmano-Mischlinge sind. Diese Rasse ist sehr schwer zu vermitteln, weil sie besondere Bedingungen brauchen. Bei uns auf dem Gnadenhof können wir einem Herdenschutzhund das Leben bieten, was er braucht. Hier hat er ausreichend Platz und viele Freunde, die er beschützen kann. Somit wird die Haltung seiner Natur gerecht.

Giada und ihre Geschwister wuchsen in einem kleinen Gehege, mit anderen Welpen zusammen, auf. Dort war es recht dunkel und immer irgendwie nass. Wenn das Gehege morgens ausgespritzt wurde, trocknete der Boden nur schlecht ab. Daher waren die Welpen beim Schlafen, Rumtollen und Essen immer nass. Nachdem es zu einer Beißerei im Gehege kam und sich zwei Spender gefunden hatten, die für Flugkosten, Schutzgebühr und Futterkosten aufkamen, haben wir einem Maremmano ein Zuhause auf unserem Hof gegeben. Und das war Giada.

Giada3

Wir konnten einfach nicht umhin, diesen Hund aufzunehmen. Giada war bei der Ausreise gut ein Jahr alt und schon ziemlich groß.

Giada-22.04.2017-b

Hier auf dem Hof ist mittlerweile wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Ich muss aber ehrlich sagen, der Anfang war nicht leicht. Giada kam zuerst in die Vermittlung. Es stellte sich aber schnell heraus, dass sie unvermittbar ist. Die große und kräftige Hündin ist sehr territorial und mag keine fremden Menschen. Sie muss aus einer Arbeitslinie stammen, denn sie ist ständig im Arbeitsmodus.

Giada-13.010.2017-d

Weil bei ihre die wichtigen frühen Sozialisierungsphasen ins Leere liefen, wird sie immer ein besonderer Hund bleiben. Darum bleibt sie für immer auf dem Gnadenhof.

 

 

Advertisements