Ein Tag mit Aufregung

Heute war die Tierärztin zusammen mit einer Pferdezahnärztin bei uns.

Die beiden arbeiten zusammen und ich finde das sehr gut. Eine sedierte die Pferde, die Kollegin kümmerte sich um die Zähne.

Das Equipment der Zahnärztin war mit dem unseres vorherigen Tierarztes nicht zu vergleichen. Sie baute eine ganze Batterie von modernen Geräten auf, mit Wasserkühlung und einem Haufen Zubehör.  

Miranda vertrug die Sedierung leider auch diesmal nicht gut. Wir vermuten, dass das an ihrem mittlerweile beinahe biblischen Alter und auch ein wenig an ihrem starken Willen liegt. Die Stute wehrt sich mit Kräften, sobald man ihr nur ins Maul schauen will.

Sie hat sich schon immer ungern ins Maul schauen lassen und mag nicht am Kopf angefasst werden. Bei mir geht das ,aber bei fremden Personen ist sie sehr skeptisch.

Die Tierärztin sedierte zweimal nach, weil Miranda sich gegen die Behandlung wehrte. Pferde bekommen drei Medikamente für die Sedierung gespritzt: Ein Schmerzmittel, ein Mittel zur Muskelentspannung und ein „Leck-mich-am-Ar***-Mittel“, welches das Tier ruhig stellen.

Normalerweise döst das Pferd dann vor sich hin und ihm ist egal was passiert.

Nur bei Miranda wirkt das „LMAA-Mittel“ nicht. Ihre Muskeln waren durch die Sedierung schon so entspannt, dass sie bedenklich schwankte. Trotzdem kämpfte sie weiter gegen das Maulgatter an, zog den Kopf von der Stütze.

Die Zahnärztin hatte es nicht leicht. Zu dritt kämpften wir mit dem Pferd und mussten immer wieder den Kopf in Position bringen. Tiefer sedieren wollte die Tierärztin nicht, weil das zu gefährlich für das alte Pferd geworden wäre.

Miranda hat ein leichtes Herzgeräusch. Eine der Herzklappen schließt nicht mehr richtig. Das Herz muss mit größerer Anstrengung dagegen anpumpen. In ihrem Alter ist das nicht ungewöhnlich. Die Tierärztin meint Miranda wird daran nicht sterben. Sie hat ja keinen Stress bei uns.

Mehr Sorgen machen Mirandas Zähne, die sehen leider nicht gut aus. Drei Backenzähne waren so locker, dass die Zahnärztin sie mit der Hand ziehen konnte.

Jetzt hat die Stute nur noch 15 Backenzähne und ihre Schneidezähne. Die noch vorhandenen Backenzähne sitzen leider versetzt, haben also keinen Gegenspieler mehr. Damit haben die Zähne der Stute keine Funktion mehr.

Nach der Zahnbehandlung. Noch nicht ganz wach.

Miranda kann damit kein Futter mehr zermahlen. Normales Heu kann Miranda sie gar nicht mehr fressen. Wie es mit Gras aussieht, werden wir im nächsten Frühjahr sehen. Ich versuche die Stute mit Heucobs durch den Winter zu bekommen. Viele Winter wird sie nicht mehr vor sich haben. Aber vielleicht erlebt sie noch einen schönen Sommer.

Mit Decke, denn die Narkose kühlt den Körper aus.

Nielsson reagierte auf die Sedierung wie es sein sollte. Er döste vor sich hin und die Zahnärztin konnte gut arbeiten. Der Wallach hat noch alle Zähne, sie musste nur ein paar Haken und Kanten abschleifen.

Außerdem war der Zahn der Einfluss auf die Lunge hat, wirklich zu lang und drückte auf einen Punkt der die Atmung negativ beeinflusst. Der Zahn wurde gekürzt und nun hoffen wir, dass der Wallach dadurch noch stabiler wird. Sein Zustand ist durch die alternative Behandlung schon richtig gut geworden.

Die Pferde erholten sich schnell und fressen bereits wieder ihre Heucobs. Doch dann kam noch eine unschöne Überraschung. Seit dem Morgen tobt hier bereits ein Sturm, der im Laufe des Tages immer heftiger wurde.

Am Nachmittag fiel dann ein Baum um und landete halb auf dem Dach des Wohnhauses. Dort lag er, drückte die Regenrinne nach unten und seine Äste wurden vom Wind hin und her geweht. Liegen bleiben konnte nicht, dann hätte er noch mehr geschädigt. Mit guter Nachbarschaftshilfe konnten wir ihn dann vom Doch entfernen.

Da hatten wir noch einmal Glück gehabt.  

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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10 Antworten zu Ein Tag mit Aufregung

  1. Hedwig Mundorf schreibt:

    Ich hoffe, die beiden erholen sich und kommen gut über den Winter!

    Gefällt 1 Person

  2. Stella, oh, Stella schreibt:

    Die Zähne sehen wirklich nicht gut aus. Ja, lass uns hoffen, dass sie noch einen schönen Sommer erleben darf! 🙂 ❤

    Gefällt 1 Person

  3. Harry schreibt:

    Servus aus Lassee, da ich mich schon von etlichen Tieren verabschieden mußte weiß ich wie schmerzhaft für dich der Umstand ist wenn ein geliebtes Tier am Ende seiner Lebenszeit ist, JEDES Lebewesen auf dieser Welt hat irgendwann ein Ende, das ist SCHICKSAL, ich wünsche Dir und deinen Schützlingen ein glückliches Leben. Alles alles Gute Harry

    Gefällt 2 Personen

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Servus lieber Harry,
      an den Zähnen erkennt man leider, dass Miranda langsam am Ende ihres Lebens ankommt. Ich mag da gar nicht drüber nachdenken. So lange es ihr gutgeht und sie so eine Freude wie jetzt am Leben hat, genieße ich jede Minute mit ihr. Ob wir ihr noch einen weiteren Winter zumuten können, werden wir, wenn alles gutgeht, im nächsten Herbst entscheiden müssen.
      Viele liebe Grüße ins schöne Österreich und alles Gute für Dich und Deine Lieben ❤
      Susanne

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