Heute war der Tierarzt bei Miranda

Als ich morgens in den Stall kam, stand Miranda allein und sah müde aus. „Wo ist denn dein Kumpel?“ fragte ich. Das war sehr ungewöhnlich. Die Pferde leben bei uns im Offenstall und sind sie um diese Uhrzeit immer draußen auf der Weide.

Mir kam das gleich seltsam vor. Als Miranda dann auch noch das Horse Alpin Senior nicht fressen wollte, wusste ich ganz genau, hier stimmt etwas nicht.

Ich rief beim Tierarzt an und erzählte der Helferin: „Die Stute macht einen müden Eindruck und hat keinen Appetit. Sonst kann ich weiter keine Symptome beobachten“. Sie wollte jemanden schicken, der eine halbe Stunde vorher anrufen würde.

Ich ging zurück in den Stall und beobachtete Miranda.

Jetzt wurde es schlimmer und sie zeigte die ersten Symptome einer Kolik: Flehmen, Kopf runter halten, nach dem Bauch schauen, umherwandern, am Boden kratzen.

Das Pferd hatte offensichtlich starke Bauchschmerzen.

Ich ging zum Telefon und rief noch einmal in der Tierarztpraxis an: „Es wird schlimmer, nun zeigt sie Anzeichen einer Kolik“. „Dann muss sofort jemand kommen“, sagte die Helferin. Ich ging in den Stall. Mirandas Zustand verschlechterte sich laufend. Da kam Nielsson von der Weide und Miranda begrüßte ihn lautstark.

Nach gut 10 Minuten fuhr der Tierarzt auf den Hof. Ich führte ihn in den Stall und zeigte ihm die Stute. Da rief er plötzlich: „Oh der Dicke ist gerade rausgegangen!“ Der Tierarzt hatte nämlich die Stalltür offen gelassen… Nielsson der die Gelegenheit genutzt hatte, war mittlerweile im Innenhof angekommen.

„Halten sie mal“, sagte ich zum Tierarzt und drückte ihm Mirandas Führstrick in die Hand. Dann ging ich in den Innenhof, wo Nielsson sich gerade das Auto vom Tierarzt anschaute. „Los Dicker, rein mit dir“, sagte ich. Blondie wusste genau was ich meinte, denn er ging freiwillig vor mir her, in den Stall.

Der Tierarzt untersuchte Miranda und konnte weder links noch rechts Darmgeräusche hören. Er holte ein paar Pferdeäpfel aus dem Darm, die normal aussahen. Sonst konnte er nichts ungewöhnliches ertasten. Die Körpertemperatur war normal.

Was ihn beunruhigte, er hörte ein Herzgeräusch. Das kann auch mal von der Kolik kommen, meinte er, muss aber später mal abgeklärt werden. Jetzt war es erst einmal wichtig, die Bauchschmerzen wegzubekommen.

Der Tierarzt spritzte Buscopan und ein Schmerzmittel. Dann beobachteten wir das Pferd. Es sollte eine Besserung eintreten, was aber nur leicht geschah. Das Flehmen und Kopfwackeln hörten auf. Miranda sah aber immer noch total fertig aus. Ich probierte wieder Futter anzubieten, sie wollte nicht fressen.

Der Tierarzt konnte momentan nicht mehr für die Stute tun und verabschiedete sich. Ich sollte in einer Viertelstunde noch einmal Futter anbieten. „Wenn es schlimmer wird, oder in zwei Stunden nicht ok ist, rufen sie mich an“, sagte er. Ich blieb im Stall und beobachtete Miranda. Fressen wollte sie nicht und sie war total müde und wackelig.

Beinahe 1 1/2 Stunden hatte sie geschlafen, dann nahm sie etwas Horse Alpin Senior. Nielsson hatte die ganze Zeit neben ihr gedöst, jetzt wurde er munter und machte sich daran den Stall zu verlassen. Da wachte auch Miranda auf und ging mit ihm auf die Weide.

Mir fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen, als sie ich sah, dass sie zu grasen anfing! Von da an ging es ihr wieder gut. Heute Abend hat sie auch ihr Horse Alpin Senior wieder ganz normal gefressen.

Das war die erste Kolik, die die alte Dame hatte. Zum Glück bekomme ich immer recht schnell mit, wenn etwas mit den Pferden nicht stimmt. So konnte ihr schnell geholfen werden.

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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6 Antworten zu Heute war der Tierarzt bei Miranda

  1. Stella, oh, Stella schreibt:

    Gut, dass du so feinfühlige „Antennen“ hast!

    Gefällt 1 Person

  2. karfunkelfee schreibt:

    Liebe Susanne, fühlt Euch gedrückt und bedacht. Zwar habe ich kein geliebtes Pferd, das in den allerbesten Jahren steht, doch Eltern und ich kenne dieses klamme Angstgefühl.
    Umso mehr beruhigte mich zu lesen, dass es ihr schon wieder etwas besser geht.
    Kurzer lieber Gruß von der Küste und vor allem sende ich Kraftwünsche auf kürzesten Wegen, hopsen gerade entlang der Eider quer über die Deiche Schleswig-Holsteins zu Euch❣️

    Gefällt 1 Person

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Die Angst war furchtbar. Ich bin immer geschockt, wie schnell die Tierärzte ein altes Pferd in den Himmel befördern wollen. Dann frage ich mich, ob ich vielleicht zu unrealistisch bin?
      Ja, es geht ihr wieder gut. Heute Morgen grast sie wie immer und gleich gibt es Horse Alpin Senior mit Mineralfutter, etwas Leinöl, Bierhefe und Schüsslersalzen fürs Herz und für die unwillkürliche Muskulatur. Damit es keine Krämpfe mehr gibt.
      Ich wünsche Euch noch einen schönen Urlaub am Meer. Leider ist ja das Wetter nicht so berauschend.
      LG Susanne

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      • karfunkelfee schreibt:

        Liebe Susanne, ich liebe den blankenHans auch wenn er weint. Mein Friesennerz hat sich prima bewährt.
        Von Deiner Sorge um Miranda zu lesen, erschreckt mich auch jedes Mal. Und immer denke ich dann: Liebe heilt und hält alte Herzen jung. Miranda lebt gerne mit und bei Dir. Ein Tierarzt sieht nur die Physis eines Tieres, er kennt Mirandas Psyche nicht- Du schon…
        Ich halte Euch weiter die Daumen.
        Alles Liebe für Miranda.
        Amélie 🍃❣️

        Gefällt 1 Person

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