Kraft tanken auf der Pferdeweide

Ich hole mir Kraft bei den Pferden.

Über ein Jahrzehnt war Campa mein Fels in der Brandung. Sie war ein ganz besonderer Hund. Ruhte in sich und gab mir so viel Kraft. Campa half mir den blödesten Scheiß zu überstehen. Mit ihr konnte ich immer weitermachen, egal was war, egal wir hart es mich getroffen hatte.

Sie gab mir innere Ruhe, half mir wieder zu mir zu finden.

Jetzt habe das Gefühl, viel zu wenig von ihr und Chica berichtet zu haben. Es kommt mir so vor, als hätte ich jede Sekunde ihres Leben festhalten und mit euch teilen müssen. Es gibt so viel zu erzählen, weshalb habe ich das nicht zu Lebzeiten getan?

Jetzt sind sie beide tot. Es ist aus und vorbei und das ist so erschreckend für mich. Chica war von mir abhängig. Sie kam als Angst-, oder besser gesagt, als Panik-Hund zu mir. Wurde dann durch mich mutiger und lebensfroh.

Campa war selbstbewusst, hatte vor nichts und niemanden Angst. War immer ehrlich und authentisch. Sie hatte Jahre in Spanien auf der Straße leben müssen und sich erfolgreich durchgeschlagen. War in einem guten Ernährungszustand, als es endlich den spanischen Tierschützern gelang, sie einzufangen.

Campa konnte sich allein versorgen, sie brauchte mich nicht. Doch Campa war schlau, sie verstand, dass es viel angenehmer war, wenn ich für den vollen Fressnapf sorgte. Sie hätte durchaus ohne mich leben können, ging aber eine tiefe Beziehung zu mir ein. Diese war geprägt von gegenseitigem Respekt und voll tiefer Freundschaft.

Campa lernte schnell. Schneller als jeder andere Hund den ich jemals vor ihr hatte. Als ich ihr solche Dinge wie „Sitz“, „an der Leine gehen“, „Such“, usw beibrachte, hatte sie meistens schon beim 1. Mal begriffen, was ich von ihr wollte.

Campa braucht keine Wiederholungen, das einmal erlernte Kommando saß. Und was sie gelernt hatte, vergaß sie nie mehr. Ich konnte Übungen abfordern, die wir jahrelang nicht mehr gemacht hatten. Campa wusste was zu tun war.

Unsere Kommunikation funktionierte dabei fast ausschließlich über Körpersprache. Selten war ein Wort nötig. Es reichte ein kleines Schnalzen von mir, ein Blick oder eine Geste und Campa wusste was ich wollte. Gern tat sie was ich mir wünschte. Da war nichts vom störrischen Terrier-Dickkopf zu spüren, von dem so viele Hundehalter klagen.

Es war fast, als wären wir telepathisch verbunden. Besucher waren erstaunt über unsere Verbindung und wie wir zusammen harmonierten. Wie dieser Hund ohne Worte folgte und wusste was gemeint war.

Campa mochte unseren geregelten Tagesablauf. Sie war ein „Gewohnheitstier“ und brauchte ihre Ruhezeiten, Futter und Spaziergänge zur gewohnten Zeit. Spielen war nicht ihr Ding, weder mit Spielzeug noch mit anderen Hunden.

Campa war im ganzen Dorf bekannt und beliebt. Ich konnte mit ihr an Gärten mit kläffenden Tölen vorbeigehen, sie blieb entspannt. Nie bellte sie zurück, gönnte den Kläffern nicht einmal einen einzigen Blick.

Campa zog auch nie an der Leine und sie blieb geduldig stehen, wenn wir unterwegs Menschen trafen. Hier auf dem Land schnackt man noch miteinander. Beinahe jeden Morgen begegnete uns der 80-jährigen Bauern Hans auf dem Fahrrad, wenn er nach seinen Kühen schaute.

Auch er sprach mich einmal darauf an, wie brav Campa wartete, bis wir ausgeklönt hatten. Irgendwer lief uns immer über den Weg. Mit Hund oder ohne und jedes Mal lief die Begegnung entspannt ab. Auch Kinder konnten Campa streicheln und taten das gern. Eine kleine Gruppe Schulkinder die morgens auf den Schulbus warteten, freuten sich wenn ich mit Campa vorbeikam.

Campa behielt in jeder Situation und an jedem Ort die Ruhe. Ich konnte sich überall mit hinnehmen, denn ich wusste, Campa würde sich gut benehmen. Ich habe nie erlebt, dass sie mit einer Situation überfordert war.

Durch ihre Art und Weise in sich zu ruhen, hat Camp mir so sehr geholfen, nie den Mut zu verlieren, hat mir Stärke und Kraft gegeben. Nun muss ich diese Kraft bei den Pferden finden.

Giada ist ebenfalls eine starke Persönlichkeit. Momentan ist aber noch mehr aus dem Gleichgewicht gerissen als ich es bin. Der Herdenschutzhund braucht jetzt meine Stärke und ich hole mir die Kraft von den Pferden.

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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