Frostigen Tage

Wir haben die frostigen Tage gut überstanden. In der letzten Woche hatten wir Dauerfrost und das bringt gleich zwei Probleme für uns.

Problem Nr. 1: Unsere Pferde leiden beide an einer chronischen Atemwegserkrankung und reagieren allergisch auf Heustaub.

Problem Nr. 2: Alte Pferde sollten möglichst wenig in der Box stehen, weil die alten Knochen, Sehnen und Gelenke besser immer in Bewegung bleiben.

Zu Problem Nr. 1: Damit die Pferde keinen Heustaub beim Fressen einatmen, wird ihr Heu vor dem Verfüttern gewässert. Hierfür benutze ich so eine Heubadewanne.

Nur lange genug gewässertes Heu, schützt ein allergisches Pferd, vor dem Kontakt mit dem Staub und bewahrt es vor Atemwegsbeschwerden. Ohne diese Prozedur reizt der Heustaub die empfinden Atemwege des Pferdes und löst Husten, Verschleimung der Bronchien und Atemnot aus.

Der Schleim sammelt sich in der Lunge und wird immer fester. Das Pferd bekommt immer größere Probleme, die Luft auszuatmen. Bis es schließlich die Bauchmuskeln dafür benutzt und sich die typische Dampfrinne zeigt. Das ist wirklich ein jämmerliches Bild.

Mit einer staubarmen Haltung (eine ganz staubfreie Pferdehaltung ist kaum möglich) sollte dies so gut es geht vermieden werden.

Die Haltung chronisch kranker Pferde ist dadurch viel aufwendiger und arbeitsintensiv. Es genügt auf keinen Fall, das Heu nur mal kurz mit der Gießkanne nass zu machen. Diesen „Tipp“ bekam ich vor 9 Jahren von eine Frau, die nach eigenen Angaben „mit Pferden aufgewachsen war“ und selbst ein Pferd mit Heustauballergie hatte.

Damals war das Mirandas erster Winter auf dem Hof. Ich hatte noch keine Ahnung von der Pferdehaltung und wusste noch viel weniger von Pferden mit chronischen Atemwegserkrankungen. Was war das Ende vom Lied? Wir hatten den Tierarzt für Miranda da, weil die Stute sich die Lunge aus dem Leib hustete und kaum Luft bekam.

Ich kann nur jedem Raten nicht auf irgendwelche Leute zu hören. Besonders nicht auf solche die behauten, sie wissen alles, weil sie ja mit Pferden aufgewachsen seien. Das waren meistens die, über die ich mich in den vergangenen 9 Jahren, am meisten gewundert habe.

Nach dieser Erfahrung arbeitete ich mich richtig in das Thema rein. Las alles was mir vor die Nase kam, sprach mit Tierärzten und Heilpraktikern. Dann passte ich die Haltung und Fütterung an und hatte nie wieder für Miranda den Tierarzt, wegen einer Atemwegsgeschichte auf dem Hof.

Dämpfigkeit (unter dieser Bezeichnung werden die verschiedenen Atemwegserkrankungen beim Pferd zusammengefasst) ist mit geänderten Haltungsbedingungen sehr gut beherrschbar.

Vorbeugung ist das Zauberwort und da ist Dauerfrost leider ein unschöner Gegenspieler, weil das Heu nicht mehr gewässert werden kann.

Nielsson hat es sogar noch heftiger erwischt als Miranda. Bei ihm reicht ein zeitlich kurzer Kontakt zum Allergieauslöser, also dem Heustaub, und schon geht es ihm von jetzt auf gleich, mega schlecht. Das ist ein wirklich rasanter Verlauf bei ihm, so habe ich das bei Miranda nie gesehen. Er pfeift plötzlich auf dem letzten Loch, pumpt wie eine Lokomotive und leidet sichtlich.

Das war auch der Grund, weshalb er aus dem Dienst als Therapiepferd ausgeschieden ist. Ein dämpfiges Pferd kann nicht mehr arbeiten.

Zum Glück hat auch Herr Nielsson die Frosttage gut überstanden.

Über das 2. Problem möchte ich euch morgen berichten.

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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8 Antworten zu Frostigen Tage

  1. Anna schreibt:

    Ja, das Heuwässern ist viel Arbeit, das kenne ich. Tyta reagiert auf Heustaub auch allergisch. Jetzt bei Frost, wenn das Heu nicht so gut gewässert werden kann, wird am Stall manchmal auch Heulage verfüttert. Tyta verträgt das ganz gut. Aber Eldur und andere Pferde bekommen davon Durchfall. Jetzt im Winter ist die Fütterung nicht einfach…

    Gefällt 3 Personen

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Es tut mir leid, dass Dein Pferd auch betroffen ist. Tyta ist die ältere oder? Nielsson hat im alten Stall viel Heulage bekommen. Als er her kam war sein Darm total krank. Er machte Haufen wie eine Kuh und die Hinterlassenschaft roch muffig. Wir mussten seinen Darm erst einmal wieder aufbauen. Das hat lange gedauert, danach ging es im viel besser. Ja, Du hast recht, die Fütterung von Pferden mit einer Atemwegserkrankung ist im Winter nicht einfach.
      LG Susanne

      Gefällt 1 Person

      • Anna schreibt:

        Ja, Tyta wird in diesem Jahr 30. Ihr genaues Geburtsdatum ist unbekannt, sie ist ja „wild“ auf Island geboren. Sie ist auch Ekzemerin, aber trotz Ekzem und Heustauballergie sehr fit und munter. Ich hoffe, das bleibt noch möglichst viele Jahre so.
        Das Blöde ist auch, wenn Eldur jetzt bei Heulage diese „Kuhfladen“ macht, dass der Schweif so schmutzig ist – und bei dem kalten Wetter kann man ihn nicht waschen – wobei das ohnehin wahrscheinlich nicht so einfach wäre, weil er gewaschen werden ja noch gar nicht kennt. Ein bisschen Putzen kennt er und Hufe geben natürlich, aber alles muss noch behutsam geübt werden.

        Gefällt 1 Person

  2. Stella, oh, Stella schreibt:

    Bei euch ist es nie langweilig, nicht wahr? Ist nix, wenn man alt wird, ob Pferd oder Hund oder Mensch.

    Gefällt 3 Personen

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