Mirandas Krankengeschichte – Teil 3

Ein Problem zeigte sich bereits im Frühjahr. Mirandas Winterfell wollte sich einfach nicht lösen. Normalerweise fängt bei der Stute, der Fellwechsel ungefähr im März an. Diesmal saß das Winterfell aber noch Ende Mai bombenfest. Nur sehr wenige Haare auf dem Rücken, hatten sich gelöst.

Miranda mit Winterfell am 23.05.2020

Nielsson war schon fast durch und bei Miranda wollte der Fellwechsel nicht beginnen.

Unsere domestizierten Pferde brauchen Hilfe beim Fellwechsel. Alleine werden sie die langen Winterhaare nicht los. Es ist jedes Frühjahr ein ganz schöner Kraftakt, sein Pferd aus dem Winterpelz herauszuputzen.

31.05.2020 – der Winterpelz sitzt immer noch fest.

Ende Mai hatte Miranda eine Schlundverstopfung und zwei Backenzähne verloren. Das war der Auslöser, dass die Stute enorm viel Gewicht verlor. Durch den Gewichtsverlust und einem gestörten Stoffwechsel, wurde Miranda sehr Berührungsempfindlich. Das Winterfell begann sich im Juni langsam zu lösen, aber ich konnte die Stute kaum striegeln.

Sie konnte einfach keine Berührungen ertragen. Sonst ließ sich Miranda immer putzen, jetzt versuchte sie mir auszuweichen und ging sogar weg. Ich versuchte es mit allen möglichen Bürsten, aber auch wenn ich eine ganz weiche „Schmusebürste“ benutzte, wollte das Pferd nur weg. Das Teil heißt übrigens wirklich so und ist eigentlich für den Kopf gedacht.

Ich probierte Miranda während der Fütterung vorsichtig zu striegeln. Doch selbst wenn sie vor dem vollen Eimer stand, ging sie weg, sobald ich ein paar vorsichtige Bürstenstriche machte. Miranda konnte Berührung nicht ertragen. Ob es allein von dem Gewichtsverlust kam, kann nicht nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass jede Berührung eine Missempfindung bei ihr auslöste.

Wir können so dankbar sein, wenn ein Pferd in so einem Fall versucht auszuweichen und sich nicht zur Wehr setzt. Leider denken Reiter oft ihr Pferd sei ungehorsam, wenn es plötzlich eine Verhaltensänderung zeigt. Man sollte immer zuerst an ein gesundheitliches Problem denken.

Ein Pferd als bockig zu bezeichnen und zu bestrafen, ändert nichts an dem eigentlichen Problem. Ich versuche lieber eine Lösung zu finden.

Das Winterfell musste runter und so pulte ich das meiste davon, ganz vorsichtig mit den Fingern herunter. Besonders dort, wo die Stute am empfindlichsten reagierte. Das war an den Flanken, Bauch, Rücken und Hinterhand. Für den Rest nahm ich eine weiche Bürste, mit der ich nur solange putzte, wie es die Stute ertragen konnte.

Hier habe ich schon etwas Fell, oben am Rücken, mit den Fingern „abgeknibbelt“.

Das war mühsam und dauerte natürlich länger, aber so schaffte ich es, ohne dass Miranda handscheu wurde. Im Juni stand die Stute im Sommerfell und erschreckend mager da.

Unter dem Winterfell hatte sich ein gesundes Sommerfell ausgebildet.

Ende August, als das Pferd wieder zugenommen hatte, stand sie mit einem glänzenden Sommerfell auf der Weide.

Jetzt lässt sich Miranda wieder gern striegeln und hat auch schon gut Winterfell geschoben.

05.10.2020

Und was soll ich euch sagen? Das Pferd schimmelt! So viele weiße Haare hatte die Stute noch nie.

Miranda wird mit ihren fast 30 Jahren grau.

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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20 Antworten zu Mirandas Krankengeschichte – Teil 3

  1. Linsenfutter schreibt:

    Was ich so auf Deinem Blog immer wieder mitbekomme, hast Du ein Händchen für die Tiere. Wie schön. Das freut mich. LG Jürgen

    Gefällt 3 Personen

  2. Stella, oh, Stella schreibt:

    Die Verwandlung von März bis August war ja schon fast ein Mirakel, aber doch das Resultat von viel Arbeit, Geduld und nicht zuletzt Liebe.
    Das Schimmeln haben Miranda und ich gemeinsam. Bei mir schummeln sich die grauen Haare einzeln zwischen die dunklen, anstatt Strähnen zu bilden. Das ist ziemlich hinterlistig … 😉

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  3. Peter Seebacher schreibt:

    Liebe Susanne, es ist schön, wie sensibel Du auf die Bedürfnisse der Tiere eingehst. Auf dem Bild vom August sieht Miranda wieder sehr schön aus.
    Das sie mit 30 Jahren langsam graue Haare bekommt, was solls. Ich war auch knapp über 30 als ich die ersten grauen bekommen habe. Und nun bin ich ein Schimmel 🙂

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ich versuche immer so gut es geht, auf die Bedürfnisse der mir anvertrauten Tiere einzugehen. Pferde zeigen uns mit ihrem Verhalten so viel, wenn wir aufmerksam sind. Sie können ja leider nicht sagen, wenn es ihnen nicht gut geht.
      LG Susanne
      PS: Du bist schon komplett „durchgeschimmelt“. 😀

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  4. Anna schreibt:

    Die Berührungsempfindlichkeit macht es natürlich schwer, ihr zu helfen. Eine entlastende Schur ist dann ja nicht möglich. Ich hatte in diesem Jahr den Eindruck, dass der Fellwechsel vielen Pferden schwer fiel. Meine Tyta – 29 Jahr alt – brauchte diesmal auch sehr lange. Aber sie ließ sich scheren, und dann verlief der Fellwechsel recht schnell.
    Miranda ist eine Schönheit – und das „Schimmelige“ steht ihr gut. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Nielsson hatte keine Probleme mit dem Fellwechsel, der war ruck zuck durch. Miranda hatte vor ein paar Jahren schon mal Probleme im Fellwechsel. Da hatte sich unter dem Winterfell kein Sommerfell gebildet. Sie war kahl, als ich das Winterfell runtergeputzt hatte. Damals bin ich auf ein anderes Mineralfutter umgestiegen und füttere seitdem Bierhefe + Biertreber im Fellwechsel. Das hat sehr gut geholfen. Manchmal muss man an der Fütterung kleine Veränderungen vornehmen. Vielleicht hilft das Deiner Tyta auch beim nächsten Fellwechsel?
      LG Susanne

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      • Anna schreibt:

        Oh, danke für den Tipp! Da werde ich mich informieren, ob das auch für Isländer bekömmlich ist. Aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, warum es das nicht sein sollte.

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        • Hilfe für Miranda schreibt:

          Besonders gut war der Wechsel des Mineralfutters. Wir hatten zwar auch vorher ein hochwertiges Produkt einer sehr guten Firma verfüttert. Aber jedes Pferd ist anders. Mirandas Körper konnte die Nährstoffe aus dem neuen Mineralfutter viel besser aufnehmen. Man muss da ein bisschen herumprobieren, bis es passt. Und eventuell später ein paar leichte Korrekturen vornehmen, wenn das Alter den Stoffwechsel ändert.

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