Mirandas Krankengeschichte – Teil 2

Nach der Schlundverstopfung und der darauffolgenden Zahnbehandlung, verlor Miranda sehr viel Gewicht. Die Stute sah noch nie so schlecht aus. Sie war regelrecht eingefallen und das in sehr kurzer Zeit. Man sah die Rippen, sie hatte tiefe Hungergruben und sehr viel Muskelmasse abgebaut.

Nach der Schlundverstopfung – das Pferd hat stark abgebaut.

Miranda war schon immer schwerfuttrig. Ich muss sowieso immer aufpassen, damit sie ihr Gewicht behält. Sie kann innerhalb von wenigen Tagen, sichtbar an Gewicht verlieren. Das wieder drauf zu bekommen, ist schon unter normalen Umständen nicht leicht.

Jetzt mit den zwei fehlenden Backenzähnen, wurde es ein richtiger Kampf. Wir hatten große Sorgen um die Stute. Es stand in den Sternen, ob sie überhaupt zunehmen würde. Pferde müssen ihre Nahrung gut mit den Zähnen zermahlen, anders können sie die enthaltenen Nährstoffe nicht aufnehmen. Miranda spuckte aber nach der Zahnbehandlung Graswickel aus.

Das war ein Zeichen, dass sie nicht mehr richtig kauen konnte. Dann verhungert ein Pferd vor dem vollen Trog, weil der Körper nicht mehr an die Nährstoffe kommt. Unser Tierarzt bringt so etwas wunderbar mit einem Satz auf den Punkt. Im ersten Moment klingt das recht herzlos. Manchmal verstehe ich seine Worte erst später. Manchmal war ich auch sauer auf ihn.

Einmal, als Bachus noch lebte, brachte er einen Spruch von wegen „alte Herrschaften“ oder so. Ich weiß nicht mehr genau was er gesagt hat, fand es aber irgendwie respektlos. Bachus hatte sich festgelegen, ich rief den Tierarzt und bis er kam, schaffte ich es doch allein, Bachus wieder auf die Beine zu bekommen.

Heute weiß ich, dass der Tierarzt es nicht böse gemeint hatte, es ist eben seine Art, Tatsachen kurz und knapp, in einem Satz rauszuhauen.

Bachus wurde 33 Jahre alt.

Ich sprach mit ihm natürlich auch über die Aussichten für Miranda. Er sagte: „Wenn ein Pferd Zähne verliert, ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen. Es kommt nun drauf an, wieviel Geld und Liebe man da noch reinstecken will“. Erst ein paar Monate später verstand ich, was er mit LIEBE meinte und dass das kein herzloser Spruch war.

Das ganze Frühjahr, den Sommer und Herbst über, musste ich meine eigenen Bedürfnisse komplett hinten anstellen. Es kostete viel Zeit, Nerven, Kraft und auch Geld, die Stute wieder aufzufüttern. Nicht nur die Corona-Beschränkungen hielten mich hier auf dem Hof fest. Ich hatte praktisch keine Freizeit mehr.

Miranda wurde mit 6 zusätzlichen Mahlzeiten pro Tag aufgefüttert. Ich war von morgens um 6.00 bis abends um 21.00 Uhr damit beschäftigt, das Pferd zu füttern und ihr damit das Leben zu retten.

Das Auffüttern von Pferden muss vorsichtig und mit Bedacht geschehen. Ein Pferd hat einen kleinen Magen, deshalb müssen die Portionen gut über den Tag verteilt werden. Ich bin ehrlich, diese Zeit war sehr anstrengend für mich. Zwischen den Fütterungen musste ich meine anderen Aufgaben erledigen. Ich konnte nur mal schnell zum Einkaufen huschen, dann war ich gerade rechtzeitig zur nächsten Fütterung auf dem Hof.

Es kostete enorm viel Energie und das meinte der Tierarzt mit „Liebe reinstecken“.

Teil 3 folgt

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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3 Antworten zu Mirandas Krankengeschichte – Teil 2

  1. Stella, oh, Stella schreibt:

    Ja, das war ein Liebesmarathon … und du hast sie gerettet!

    Gefällt 2 Personen

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