Wenn der Hund alt wird

Wenn der Hund alt wird, ist nicht mehr alles schön.

Unsere Chica ist jetzt 15 Jahre und das ist für einen so großen Hund, ein ganz schönes Alter. Sie ist soweit körperlich gesund, nur die Beweglichkeit ist nicht mehr so wie früher. Das Aufstehen fällt schwerer und manchmal machen ihre Beine was sie wollen.

Es scheint so, als hätte der Hund seine Gliedmaßen nicht mehr wirklich unter Kontrolle. Wenn ich das Futter zubereite, stehen die Hunde dabei und warten. Dann fängt Chica an, mit den Zähnen zu klappern, wie ein Maschinengewehr. Sie hat das nicht unter Kontrolle und kann damit nicht aufhören.

Beim Fressen wandern ihre Beine unkontrolliert herum. Die Vorderbeine grätschen, die Hinterbeine, meistens das linke mehr als das rechte, bewegen sich wie von allein. Das Bein hebt langsam vom Boden ab und streckt sich nach vorn, bis der Hund das Gleichgewicht verliert.

Bevor sie umkippt, läuft sie eine oder mehrere Runden im Kreis. Dabei geht das linke Hinterbein immer wieder hoch in die Luft und zeigt so eine Art „Phantomkratzen“. Es dauert ein bisschen, bis der Rücken des Hundes wieder gerade wird und sie weiter fressen kann.

An ganz schlechten Tagen, wandern beide Hinterbeine und die Vorderbeine rutschen nach links und rechts auseinander. Ich bin beim Fressen immer in der Nähe und halte ihre Beine fest, wenn es sein muss. Dann geht es und sie kann ganz normal fressen.

Leider etwas unscharf

Dieses „Beinewandern“ tritt Phasenweise auf. Seit gut einer Woche kann sie wieder ganz normal vor ihrer Futterbar stehen. Es gibt also gute Tage und schlechtere. Fressen will sie aber immer. Der erhöhte Fressplatz erleichtert Chica die Futteraufnahme sehr. Das Teil war eine gute Investition.

Ihren Afterschließmuskel hat sie jetzt kaum noch unter Kontrolle. Der Hund verliert im Schlaf Kot. Jetzt wandert jede Nacht, auch mal am Tage, ein Ködel aus dem Hintern und Chica bemerkt das gar nicht. Draußen fallen die Ködel einfach so beim Laufen heraus.

Die Konsistenz ist immer so fest, dass der Hund und seine Umgebung sauber bleiben. Mit einem Papiertuch ist das schnell hochgenommen. Da Chica schon immer sehr ruhig geschlafen hat, sie wacht morgens so auf, wie sie sich abends hingelegt hat, liegt sie nie in ihrem Kot und beschmutzt sich nicht.

Das wäre anderenfalls auch nicht lange tolerierbar. Ein alter Hund, der jede Nacht in seinem eigenen Kot liegt, täglich – vielleicht sogar mehrmals – gesäubert werden müsste, hätte keine Lebensqualität mehr.

Obwohl der Gang steifer geworden ist, laufen kann sie immer noch gut und macht es auch gern. Meistens rennt sie im Galopp über den Hof. Die Galoppsprünge sehen erstaunlich rund aus. Nur im Schritt sieht man die Veränderung und der Trab wurde durch einen Passgang ersetzt.

Mir ist es lieber, wenn Chica auf dem Boden schläft, aber sie möchte immer noch gern auf ihrem Lieblingssessel liegen. Da hoch zu kommen, fällt ihr mittlerweile sehr schwer.

Chica

Neulich Abend scheiterte ein Versuch kläglich. Die Vorderbeine standen schon auf dem Sessel, da gaben die Hinterbeine nach. Der Hund machte einen Salto rückwärts und kam, halb unter dem Sofatisch, zu liegen. Vollkommen verdattert lag sie da und wusste nicht, wie sie dort hingekommen war.

Ich habe schon alle „gefährlichen“ Ecken mit Teppichen usw. gepolstert. Aber der Hund lernt auch nicht wirklich. Chica war noch nie gut in „Probleme selbständig lösen“ oder „etwas dazulernen“. Wenn ich böse wäre würde ich schreiben, Chica ist nicht die hellste Kerze auf der Torte.

Jetzt ist es dreimal vorgekommen, dass Chica tief geschlafen hat und plötzlich laut schreiend aufwachte. Einmal am Tage und zweimal mitten in der Nacht. Sie schrie so, als würde sie abgestochen werden und hörte nicht eher auf, bis ich bei ihr war.

Ich rannte sofort zu ihr, dachte der Hund hätte Schmerzen. Giada und Campa waren auch schon da und schauten. Ich beruhigte Chica und sie hörte auf zu schreien. Sie brauchte eine Weile, bis sie im Hier und Jetzt angekommen war. Dabei schaute sie ziemlich verwirrt aus.

Es war aber nichts los, sie hatte keine Schmerzen. Ich bat sie aufzustehen und wir gingen alle nach draußen. Chica lief fröhlich zur Tür, so als ob nichts wäre und pinkelte draußen. Danach wollte sie wieder rein, legte sich hin und schlief weiter.

Ich weiß nicht ob das ein Anzeichen einer Beginnende Demenz ist. Es war auf alle Fälle furchtbar. Ich hatte mich zu Tode erschrocken, denn so hatte ich noch nie einen Hund schreien hören.

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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28 Antworten zu Wenn der Hund alt wird

  1. Linsenfutter schreibt:

    Im Alter kommen die Probleme. Meine Hündin „Inka“ wurde 13 Jahre. Dann bekam sie Epilepsie und hat die Kinder ohne Vorwarnung gebissen. Den Rest kannst Du Dir sicher denken.
    LG Jürgen

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  2. Katzenfluestern schreibt:

    Och je, das Alter…..es tut einem in der Seele weh und dann wieder sieht man aber auch noch die Lebensfreude. Ihr nehmt doch auch Schüssler-Salze für die Pferde und seid somit der Homöopathie vielleicht nicht abgeneigt. Ich hätte da einen kleinen Tipp: Ginkgo biloba D4 😉 Das paßt sehr gut zu beginnender Demenz, Koordinierungsproblemen der Gließmaßen usw. Aber ist nur ein Tipp…kein Muss 😉 LG Ilona

    Gefällt 2 Personen

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Vielen Dank für Deinen Rat. Ich freue mich über jeden guten Hinweis. ❤
      Chica bekommt bereits homöopathische Mittel und Schüßler Salze, die auf sie und ihre momentane Situation abgestimmt sind. Ich lese mir das Arzneimittelbild für Ginkgo Biloba aber gleich mal durch. 😀
      LG Susanne
      PS: Hast Du Deinen Schüßler Salz Bericht schon geschrieben?

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  3. einfachtilda schreibt:

    Schon schlimm, wenn man das alles mit ansehen muss. Kannst du ihr nicht einen Hocker vor den Sessel stellen, dass sie besser rauf und runter kommt?
    Wir Menschen haben ja auch einige Hilfsmittel, die uns manches erleichtern
    LG Mathilda ❤

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  4. connysblog schreibt:

    Das kommt mir sehr bekannt vor. Meine Katzen sind jetzt 12 Jahre alt und Selenia fängt auch so an, dass ihr beim Fressen die Beine wegrutschen und sie nicht mehr wirklich springen kann. 😢. Ich habe ihr jetzt überall Fußmatten unter die Näpfe gelegt, damit sie sicherer sitzen kann. Vielleicht hilft euch das ja ein bisschen. 😘

    Gefällt 1 Person

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ach man, das tut mir echt leid für Euch. Die Mieze ist mit 12 aber noch nicht so alt. Hast Du mal den Tierarzt schauen lassen? Vielleicht steckt etwas anderes dahinter und man kann ihr helfen?
      Das mit der Matte hat nichts gebracht. Chicas Beine rutschen nicht weg, sie „wandern“. Der Hund hat dann keine Kontrolle über seine Beine. Das passiert beim Fressen. Dann geht das Bein hoch und wird nach vorn gestreckt. Ich denke die Nerven funktionieren nicht mehr richtig. Darum werden Bewegungen ausgelöst, die vollkommen sinnlos sind.
      LG Susanne

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      • connysblog schreibt:

        Ach herrje, der arme Schatz. ❤️
        Ja, ich war beim Tierarzt. Vorhin nochmal. Morgen müssen wir uns leider verabschieden. Sie ist sehr krank, hat Wasser im Bauch. Typische Katzenkrankheit von Spaniern. Meiner Tochter und mir bricht das Herz. 😭 Die kleine Katze frisst auch noch und will ihre Leckerchen und kuschelt gerne, aber sie soll nicht leiden. Die Ärztin sagt, es geht nicht mehr anders.

        Ich kann es kaum ertragen 😭

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  5. Stella, oh, Stella schreibt:

    Armes Mädchen … ❤

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  6. Fjonka schreibt:

    Achje, und es ist so schwer, sich das anzusehen! Man weiß ja auch, daß man irgendwann wird Entscheidungen treffen müssen. Aber wann? Immer wieder schwer! Hoffentlich bleibt Euch noch eine relativ freudige Zeit miteinander!

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Du hast so recht. Es geht auf das Lebensende zu, das ist nicht zu bestreiten und das ist nicht immer leicht mit anzuschauen. Solange Chica laufen und aufstehen kann, frisst und Lebensfreude hat, werden wir ihr ihre letzte Zeit so schön wie möglich machen. Sie soll sich auf keinen Fall quälen, wenn es nicht mehr geht.
      Liebe Grüße
      Susanne

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  7. Manuela Murauer schreibt:

    Eigentlich ist ein „Like“ hier fehl am Platz, weil es ja doch immer schlimm und traurig ist, es sich ansehen zu müssen. Aber das Like auf alle Fälle dafür, wie schön und wertschätzend du Chica´s Situation beschreibst. Man fühlt als Leser, dass dir sehr daran gelegen ist, dass sie keine Schmerzen hat und ihr Alter in Würde erleben und leben darf. Dafür ein herzliches Dankeschön von mir – unser Hund wird nächsten Frühling 13 J. und das ist auch schon ein hohes Alter. Ich hoffe, er packt es gut und hat noch ein schönes Leben.
    lg und alles Gute
    Manuela

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Danke schön, liebe Manuela! ❤
      Es betrübt mich wirklich mit ansehen zu müssen, wie Chica immer mehr abbaut. Sie soll ihre letzte Zeit auf dieser Werde, so schön wie möglich erleben und in Würde gehen. Ich werde sie nicht aus egoistischen Gründen am Leben erhalten, wenn ihr Körper nicht mehr kann. Einem Tier können wir zum Glück helfen zu gehen.
      Ich finde es auch wichtig, den Menschen zu erzählen wie es ist, wenn der Hund alt wird. Wie die letzte Zeit verläuft, was auf einen zukommt. Oft ist es hart und macht uns traurig. Aber wir sind es unserem Tier schuldig, das uns oft schon viele Jahre begleitet hat, diese letzte Zeit, gemeinsam zu gehen.
      Ich wünsche Euch mit Eurem Hund noch eine lange und gute Zeit. ❤
      LG Susanne

      Gefällt 1 Person

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