Der große Schreck in der Abendstunde

Wir hatten gestern Abend den Tierarzt für Miranda auf dem Hof. Den ganzen Tag über ging es der Stute gut. Um 17.00 Uhr war die Welt noch in Ordnung.

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Als ich um 19.00 Uhr die Pferde füttern wollte, merkte ich gleich, dass etwas mit Miranda nicht stimmte.

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Sie verweigerte nicht nur das Fressen. Vor mir stand ein nervöses Pferd, mit weit aufgerissenen Nüstern. Ihr Herz raste, ich konnte es durch die Haut schlagen sehen und sie atmete viel zu schnell. Die Stute lief unruhig umher, schlug mit dem Schweif und flehmte immer mal wieder. Ich lief ins Haus, um den Tierarzt anzurufen.

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Die Praxis war um 19.00 Uhr schon geschlossen, so musste der notdiensthabende Tierarzt kommen. Es dauerte bis 21.00 Uhr, bis endlich sein Auto die Auffahrt hochfuhr. Miranda ging es in dieser Zeit immer schlechter. Sie ging auf der Weide auf und ab, hielt den Kopf tief, fraß aber nicht. Immer wieder flehmte sie und schüttelte ihren Kopf. Als der Tierarzt endlich eintraf, lag die Stute auf der Weide und kam nicht mehr hoch.

Ich führte den Tierarzt zu der liegenden Miranda. Gemeinsam schafften wir das Tier auf die Beine zu bekommen. Leicht schwankend stand sie vor uns, ihre Schleimhäute waren ganz blass und ihr Kreislauf am Boden. Der Tierarzt horchte ihr Herz und den Bauchraum ab. „Ich gebe ihr alle Medikamente die möglich sind, aber es kann sein, dass die Natur jetzt einfach ihr Ende findet“, sagte der Tierarzt. „Ich weiß“, sagte ich. Was sollte ich sonst auch sagen? Ich hatte mich mit diesen furchtbaren Gedanken auseinandergesetzt, während ich auf den Tierarzt gewartet hatte. Miranda ging es so schlechter, ich hatte ein ganz ungutes Gefühl. „Ich werde sie nicht leiden lassen“, sagte ich zum Tierarzt. Er nickte nur und ging zum Wagen, um die Spritzen fertig zu machen.

Ich sollte währenddessen mit Miranda ein Stück nach vorne kommen. Sie folgte mir brav wie sie ist, leicht schwankend, mit wackeligen Hinterbeinen. „Braves Mädchen“, sagte ich, „du schaffst das“. Der Tierarzt kam zurück und spritzte diverse Medikamente in ihre Halsvene. Miranda ließ sich alles brav gefallen. Danach sollte ich die Stute loslassen und nahm das Halfter ab. Miranda ging ein paar unsichere Schritte, dann senkte sie den Kopf und begann Gras zu fressen!

„Das ist ein gutes Zeichen“ sagte der Tierarzt und ich atmete erleichtert auf. Genauso schnell wie es der Stute so schlecht ging, besserte sich jetzt ihr Zustand. Ich war immer noch angespannt. Der Tierarzt meinte: „Wenn es ihr morgenfrüh gut geht, ist alles überstanden, wenn nicht, melden sie sich“. Was nun genau das Problem war, konnte er nicht sagen. Er tippte aber auf das Alter des Pferdes und die heißen Temperaturen der letzten Tage.

Wie hier am 28.07. zum Beispiel, da hatten wir 55 Grad in der Sonne!

Garten 28.07.2019 - 55 Grad.jpg

Die Pferde haben zwar den kühlen Stall, den sie tagsüber immer mal wieder nutzen, um sich zu erhohlen und zu dösen. Hier haben sie auch Ruhe vor den lästigen Fliegen.

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Auch an den Weiderändern gibt es schattenspendende Bäume für sie.

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Aber die Hitze muss für Miranda doch zu viel gewesen sein. Seit heute Morgen geht es ihr Gott sei Dank wieder gut! Sie frisst, verhält sich wie immer und sieht gesund und munter aus. Hoffentlich bleibt das jetzt so!    

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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33 Antworten zu Der große Schreck in der Abendstunde

  1. Anna schreibt:

    Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es ihr weiter gut geht!

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  2. Linsenfutter schreibt:

    Gott sei Dank. War das ein Schrecken. Hoffentlich geht es gut weiter.

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  3. Hedwig Mundorf schreibt:

    Na hoffentlich war es nur die Hitze!!!! Ich drück alle Daumen

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Das hoffen wir auch. Der Tierarzt befürchtete, dass die alte Dame langsam an ihrem Lebensende angekommen sei. Hoffen wir, dass sie noch ein bisschen Zeit mit ihrer neuen großen Liebe Herrn Nielsson hat.
      LG Susanne

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  4. karfunkelfee schreibt:

    Oh Mann Susanne, was für ein Schreck!
    Die Wärme ist für alle in die Jahre gekommenen Herzen und Kreisläufe, egal welche Sorte Säuger, eine Riesenbelastung….da hat Miranda gerade nochmal Glück gehabt. Sie weiß ja wie lieb Du sie hast und sie ist glücklich in der Hacienda Miranda. So schnell gibt sie nicht auf.
    Der Schreck kam mir beim Lesen nachträglich.
    Bald ist Sternschnuppenzeit, die Leoniden schwärmen wieder überm Sommer und leiten lautlos seinen baldigen Abschied ein.
    Ich wünsch mir eine Gesundbleibschnuppe für Miranda. Nein. Ich wünsche mir Tausende davon.
    Habts gut und liebe Grüße von Amélie

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Danke liebe Amélie! ❤ Das ist sehr süß von Dir! ❤
      Miranda vertraut mir wirklich vollkommen. Sie hat so eine starke Bindung zu mir aufgebaut, das ist einfach so herzergreifend. Als sie am Boden lag und nicht mehr hoch kam, rief sie nach mir, wenn ich gucken ging, ob der TA schon angekommen war. Ich musste das Pferd kurz allein lassen, weil der TA uns nicht finden könnte. Mir tat es im Herzen weh und ich musste wieder an den Züchter denken bei dem Miranda als Fohlen zur Welt kam und der sie mit 20 Jahren schlachten lassen wollte. Das kann man doch nicht übers Herz bringen, wenn ein Geschöpf so eine Bindung zu einem aufbaut. Gott sei Dank geht es dem alten Mädchen wieder und immer noch gut.
      LG Susanne

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  5. einfachtilda schreibt:

    Daumendrück !! ❤

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  6. Harry schreibt:

    Susanne das war eine Gruselgeschichten ich dachte an das Schlimmste und war über das Happyend mehr als erleichtert. Bei uns war es auch nicht gerade kühl, aber wir gehen sehr zeitig und abends umgekehrt, hoffe das Wetter normalisiert sich bald, ein Jammer weil Miranda doch schon älter ist und nicht ganz gesund. Halte die Daumen das Miranda die Wetterkabriolen übersteht. Meine Stute der ich täglich Leckerlie gebe ist schon über 34 Jahre alt und das kann Miranda auch schaffen. Das Pferd das ich besuche gehört nicht mir kenn ich seit 13 Jahre und solange ist sie schon alleine. Wünsch alles Gute Harry

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Es war sehr knapp, lieber Harry. Miranda wäre fast gestorben. Hätte ich nicht sofort gehandelt, wäre die Geschichte schlecht ausgegangen. Hoffentlich war es wirklich nur das Wetter. Von der alten Stute hattest Du mir schon mal berichtet. Es ist traurig, dass sie immer noch allein steht.
      LG Susanne

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  7. tanjabrittonwriter schreibt:

    So ein Riesenschreck! Ich bin mit Dir erleichtert, daß er der lieben Miranda wieder besser geht!

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  8. Stella, oh, Stella schreibt:

    Puuuha, so ein Schock. Solche Temperaturen hauen aber den stärksten Esel aus den Latschen, kein Wunder, dass die alte Dame Probleme hatte. Würde mit Wasser abkühlen Erleichterung schaffen oder wie ist das bei Pferden?

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Das geht schon, aber Miranda hasst es abgespritzt zu werden. Auch nasse Tücher sind ein Graus für sie. Da dreht sie durch. Außerdem war das Pferd nicht überhitzt. Wir haben auf die Wärme getippt, weil der TA keine richtige Diagnose stellen konnte.
      LG Susanne

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      • Stella, oh, Stella schreibt:

        Ah, o.k., das ist natürlich Schiete. Viele Pferde lieben ja Nässe und lassen sich auch völlig durchregnen, aber wir sind ja alle verschieden. Die richtige Diagnose lese ich sicher in deinem heutigen Beitrag. Hauptsache ist, ihr geht es gut, armes Mädel …

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        • Hilfe für Miranda schreibt:

          Miranda ist wasserscheu. Sie läuft bei den ersten Tropfen Regen sofort in den Stall. Abduschen findet sie vollkommen blöd und regt sich total dabei auf. Wenn sie einen Hitzschlag gehabt hätte, hätte ich sie natürlich trotzdem mit Wasser gekühlt. Aber das war nicht der Fall. Eine Diagnose gibt es nicht. Der TA weiß auch nicht was mit ihr los war. Es stand ihr Alter im Raum und ob vielleicht ihre Lebenszeit abgelaufen sei. Bei einigen Pferden geht das so schnell und ohne Vorwahrnung. Bei Bachus war es ähnlich. Ich mag da gar nicht dran denken.
          LG Susanne

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  9. Ewald Sindt schreibt:

    Schön, das es ihr wieder besser geht, aber hätte nicht die eine oder andere „Regendusche“ zwischendurch auch geholfen, bzw. hätte es erst gar nicht so weit kommen lassen…
    Ein Unwissender…😇
    Lieben Gruß, Ewald

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Das wäre schön, wenn es so einfach wäre, liebe Ewald. Aber das Pferd war gar nicht überhitzt. Wir haben die Belastung der letzten Zeit durch die Hitze, als Auslöser in Verdacht gehabt. Flehmen und mit dem Schweif schlagen, sind aber auch Zeichen für Schmerzen. Miranda ist schon sehr alt und wir wissen nicht, was da in ihrem Körper genau los ist. Ob sie vielleicht irgendwo Schmerzen hat oder ein Problem. Manchmal lösen auch ungewöhnliche Wetterlage bei Pferden eine Kolik aus. Was auch immer die Ursache war, es konnte ihr geholfen werden und nun hoffe ich, dass sie noch lange Zeit gesund bleibt.
      LG Susanne

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  10. Irène in Indien schreibt:

    Das sind immer so Schreckensmomente! Schön, dass es ihr wieder gut geht 😊

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  11. Nicole Vergin schreibt:

    Was für ein Schrecken für Dich, liebe Susanne! ❤ Ja, bei dem Wetter sind solche Kreislaufprobleme nicht ungewöhnlich. Ich wünsche Miranda alles Liebe! ❤

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  12. Fjonka schreibt:

    Ohweia, da ist man mal 3 Tage ohne Internet, und dann sowas im Reader!
    Wie gut, daß Du das gleich richtig eingeschätzt hast!
    Ist aber auch wirklich übles Kreislaufwetter grad!!!!

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