Feuerwerk am 07. Januar

Da waren wir froh Silvester gut überstanden zu haben und dann knallt doch gestern Abend, irgend so ein Idiot, neben unserer Weide. Nicht nur ein paar Böller gingen in die Luft. Nein, ein richtiges Feuerwerk. Batterien von Böllern und Heulern wurden abgefeuert, mit Funkenregen und Qualm ohne Ende. Und das am 07. Januar, wo kein Mensch mit rechnen kann!

Wir sind es gewohnt, dass ein Nachbar jedes Jahr am Neujahrstag, sein Privat-Feuerwerk veranstaltet. Sobald es dunkel wird, geht´s los. Darum verbringen die Pferde aus Sicherheitsgründen, auch die Neujahrsnacht in ihren Boxen. Gestern waren sie natürlich draußen, als plötzlich ohne Vorwarnung, der Radau losging.

Die Pferde drehten durch und galoppierten auf der Koppel herum. Besonders Nielsson war vollkommen durch den Wind. Die Aufregung schaukelte sich immer mehr hoch und die Gefahr war groß, dass die Tiere durch den Zaun gehen könnten. Ich ging sofort auf die Weide und versuchte die Pferde zu beruhigen. Miranda kam durch meine Anwesenheit etwas runter, aber Nielsson blieb aufgeregt.

Es war gerade Zeit für die Abendfütterung und so versuchte ich die Pferde in den Stall zu locken. Das klappte leider nicht. Nielsson drehte auf dem Weg zum Stall immer wieder um. Er trabte panisch hin und her und Miranda folgte ihm. Das war auch für mich nicht ungefährlich. Leider hatten die Pferde keine Halfter an, sonst hätte ich sie in den Stall führen können. Ich kam nicht richtig an die aufgeregten Tiere heran, um ihnen das Halfer anzuziehen, vielmehr versuchte ich es gar nicht erst.

Denn ich hatte die Idee, mit den gefüllten Futtereimern auf die Weide zu gehen. Ich wusste ja, dass Nielsson total verfressen ist und hoffte, die Aussicht auf das Abendessen, würde ihn ruhiger werden lassen. Miranda entspannte sich schnell und blieb brav hinter ihrem Eimer stehen. Auch Nielsson futterte aus seinem Eimer, blieb aber nervös. Immer wieder ging sein Kopf hoch und er starrte in die Richtung aus der das Knallen kam. Ich konnte von hier aus leider nicht erkennen, wer diesen Scheiß veranstaltete. Ich demjenigen gern persönlich erzählt, was ich davon hielt.

Bei jedem Knall zuckte Nielsson zusammen. Die Feuerwerkskörper hatten ihm schon in der Silvesternacht große Angst gemacht. Jetzt stand er im Freien und sah die Funken und den Qualm, den der Wind in unsere Richtung trieb. Ich sprach den Wallach beruhigend an und er fraß weiter. Als die Pferde ihre Eimer geleert hatten, waren da auf einmal zwei pubertierende Jungen auf der Nachbarweide. Sie alberten herum, riefen laut und lachten, hüpften, liefen hin und her. Sofort setzte bei den gestressten Pferden wieder der Fluchtreflex ein. Sie drehten nervöse Bahnen auf der Koppel. Ich reagierte sofort, kletterte unter dem Weidezaun durch, sprang mit einem Satz über den Graben und schnappte mir die beiden Bengel.

Miranda und Nielsson standen dicht zusammengedrängt, ca. 50 Meter entfernt und beobachten mich. Ich stellte die Jungen zur Rede, fragte ob sie geknallt hätten. Die beiden behaupteten steif und fest, sie hätten nichts damit zu tun. Ein Junge fragte mich, ob ich ihn durchsuchen wollte. „Nein“, sagte ich und musste nun doch lachen. Ich glaubte ihnen, denn die beiden hätten ja Tüten voller Knallzeugs mitschleppen müssen, um so ein Feuerwerk zu veranstalten. Außerdem schienen sie ganz verständig, als ich erklärte wie verschreckt die Pferde waren.

Wer immer das gewesen war, dürfte also weniger Verstand besitzen, als ein pubertierender Jugendlicher. Herzlichen Glückwunsch, kann ich da nur sagen!

Eines konnte ich aber wieder feststellen. Das Vertrauen von Pferde kann man sich sehr schön erarbeiten, wenn man sie in bedrohlichen Situationen nicht allein lässt. Als ich etwas unbeholfen, den Rückweg über den Graben, unter den Zaun durch, zurück auf die Weide geschafft hatte. Von dieser Seite war es viel schwieriger und das es mittlerweile beinahe dunkel war, machte die Sache auch nicht besser. Da kamen die Pferde sofort zu mir. Sie waren jetzt vollkommen ruhig und folgten mir in den Stall.

Ich hatte die Situation für sie geklärt und unsere Verbindung wurde damit wieder ein Stück stärker. So kann doch auch der Größte Mist noch eine gute Seite haben.

Nielsson-20.12.2018-c.jpg

Auch Nielsson vertraut mir jetzt.

 

 

 

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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18 Antworten zu Feuerwerk am 07. Januar

  1. Hedwig Mundorf schreibt:

    Es gibt eben überall Idioten. Gut, dass nichts schlimmes passiert ist.

    Gefällt 2 Personen

  2. Stella, oh, Stella schreibt:

    Das wirkt wie Absicht, genau dort zu knallen. Schade, dass du nicht sehen konntest, wer das war, feige Typen, denn dafür kann man sie anzeigen.

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  3. Ich finde es manchmal sehr schade, dass Menschen so rücksichtslos sind und nicht auf ihre Umgebung achten, doch habe ich auch gelernt, dass sie es oft nicht besser wissen.

    Liebe Grüße

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  4. tanjabrittonwriter schreibt:

    Ich bin auch froh, daß endlich alles glimpflich ausgegangen ist, und daß es Euch allen gut geht.
    Liebe Grüße,
    Tanja

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  5. Nicole Vergin schreibt:

    Liebe Susanne,
    Hut ab vor Dir wie Du diese Situation gemeistert hast! Und ich bin sooo erleichtert, dass Euch nichts passiert ist! ❤
    Menschen und Feuerwerk… da knallen bei einigen anscheinend einfach die Sicherung durch!
    Ganz liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 2 Personen

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Danke liebe Nicole! ❤ Manchmal muss man einfach auf seine innere Stimme hören. So konnte ich diese gefährliche Situation meistern.
      Ich glaube auch, dass da wohl sämtliche Sicherungen bei den Blödmännern durchgeknallt sind. Denken nur an ihr Vergnügen, ohne nachzudenken.
      LG Susanne

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  6. Ewald Sindt schreibt:

    Das sind leider Idioten, wahrscheinlich war er Sylvester zu besoffen um zu knallen. Eine Anzeige wäre angebracht gewesen.
    Lieben Gruß, Ewald

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  7. Harry schreibt:

    Servus Susanne, leider gibts es solche egoistischen Volltrotteln überall, Gott sei Dank ist nichts schlimmeres geschehen, wünsche Dir und den Tieren ein ruhiges 2019, Gruß Harry

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  8. bernadett schreibt:

    Das ist ja so was von ärgerlich!
    Ich könnte mich schon wieder aufregen.Leider gibt es immer wieder und überall solche Idioten,die ohne nachzudenken ihre privaten Feuerwerke machen wann und wo es ihnen passt.
    Zum Glück konntest Du die Pferde beruhigen und vielleicht hast Du ja auch bei den beiden Jungen etwas bewirkt.
    LG Uwe

    Gefällt 1 Person

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Die beiden Jungen waren sehr verständnisvoll. Ich glaube nicht, dass sie etwas mit dem Feuerwerk zu tun hatten. War wohl ein blöder Zufall, dass sie gerade über die Weide gelaufen sind. Ich bin sehr froh, dass alles gut ausgegangen ist. Pferde die vor Schreck durch den Zaun gehen, muss niemand haben.
      LG Susanne

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