Der Brotbackautomat

Giada ist in einem Tierheim auf Sizilien aufgewachsen. Sie kannte von Welpe an, nur ihren kahlen Zwinger, ohne Körbchen, Decke, Spielzeug. Ein Haus hatte sie noch nie gesehen. Alles womit unsere deutschen Hunde von Geburt an vertraut werden, war für Giada neu. Das war ein richtiger Kulturschock, der auf sie zukam.

Der Hund war anfangs sehr unsicher. Alles war neu und machte ihr Angst. Sie kannte keine Haushaltsgeräte, keine Möbel, keine Fensterscheiben. Wenn sie abends ihr Spiegelbild in den Scheiben sah, drehte sie durch. Sie konnte das alles nicht verstehen.

Ganz schlimm wurde es, als ich gut eine Woche nach ihrem Einzug, den Brotbackautomaten startete. Der Maremmano flippte völlig aus! Sie bellte und machte Scheinangriffe. Sie ging nach vorn, aber auch wieder zurück. Es kollidierten zwei Triebe, der Schutztrieb und die Unsicherheit. Das war nicht gut.

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Der Hund war nicht zu beruhigen. Weder die sanfte Tour: „Der tut nichts, brauchst dich nicht aufregen“. Noch das energische Einschreiten: „Nun ist gut, ich regle das und du bist ruhig“, brachten etwas. Der Hund bellte und bellte. Ging nach vorn und hatte wieder Angst.

Ignorieren half nicht, schimpfen half nicht. Der Hund bellte und bellte und raubte mir den letzten Nerv! Wer schon mal Brot im Brotbackautomaten gebacken hat, weiß dass das eine längere Angelegenheit ist. Zuerst werden die Zutaten zu einem Teig verrührt. Das dauert und der Automat macht seltsame Geräusche dabei. Ich konnte verstehen, dass das Giada unheimlich vorkam.

Dann war das seltsame Ding plötzlich still, denn nun musste der Teig gehen. Giada beruhigte sich. Nach einer halben Stunde knetete der Automat den Teig noch einmal durch und der Hund war sofort wieder auf 180! Das wird ja toll werden, wenn ich einmal die Woche Brot backe, dachte ich.

Aber was soll ich euch sagen, schon beim nächsten Mal hatte sie es kapiert! Das Ding tut nix und ich man braucht sich nicht aufregen. Ich kann mein Brot wieder ohne Dauerbeschallung backen. Das ist auch der Unterschied zwischen einem Herdenschutzhund und anderen Hunden. Er muss sich selbst davon überzeugen, ob etwas eine Gefahr bedeuten kann.

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Nach gut zwei Wochen fing Giada an zu arbeiten. Da war sie zwar noch unsicher, aber ihr Schutztrieb ließ sie wachsam sein. Mir gefiel ihre Unsicherheit nicht, das konnte schnell gefährlich werden. Sie reagierte auf jedes kleinste Geräusch und musste nachschauen, was das war.

Einige Wochen später achtete sie schon mehr auf meine Reaktionen. Wenn sie etwas meldet gehe ich zu ihr. Sie schaut mir jetzt in die Augen und wartet auf meine Reaktion. Ich kann jetzt sagen: „Das ist ok, da brauchst du nicht aufpassen“, wenn z.B. ein Reh vorbeigeht. Sie hört dann auf zu bellen. Am Anfang war das nicht möglich.

Wir sind Stück für Stück weiter gekommen. Ich möchte es so sagen, jeden Tag ist ein Knoten geplatzt.

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Mit unserem Blog wollen wir auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Wir kauften sie frei, schafften einen Platz für sie und retteten ihr damit das Leben. Der Blog berichtet aktuell über das neue Rentnerleben von Miranda. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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17 Antworten zu Der Brotbackautomat

  1. weenie schreibt:

    Liebe Susanne
    Der böse unheimliche Brotbackautomat…tzzz, tzzz, tzzz 🙂
    Das ist ja fantastisch, was für Fortschritte deine Giada macht!
    Ich muss es jedes Mal wieder sagen, wenn ich ein Foto von ihr sehe: sie ist ein wunderwunderwunderschönes Geschöpf.

    LG
    Karin

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Liebe Karin,
      ja der böse Backautomat! 😉 Dabei habe ich zu dem Eisbären gesagt: „Brotbackautomat lieb, Giada lieb“. 😀 Hat ja am Ende auch funktioniert. Ich war nur über die Heftigkeit erschrocken, mit der sie auf das Teil losging. Da weiß man dann warum diese Hunde HerdenSCHUTZhund heißen.
      Sie macht wirklich unglaublich schnelle Fortschritte. Sie sieht nicht nur gut aus, sie ist auch intelligent. 😀
      LG Susanne

  2. wolke205 schreibt:

    In den nächsten Wochen und Monaten wirst Du noch einiges an Geduld brauchen. Als Mensch rechnet man ja schon mit vielem und plant vorausschauend – aber oft überraschen die Hunde einen dann doch noch 😀 Ich finde es toll, dass sie schon jetzt so eine Bindung zu Dir hat und sich darauf verlassen kann. So kann es doch gerne weiter gehen 🙂 Ist ihr Fell eigentlich so flauschig weich wie es immer aussieht?? 😀

    Drück Dich

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ja, das ist klar. Sie ist ja völlig reizarm und isoliert aufgewachsen. Sie lernt aber sehr schnell dazu. Das nächste seltsame Gerät war das Handrührgerät, als ich einen Kuchen backen wollte. Da war ihre Reaktion aber nicht mehr so heftig wie beim Brotbackautomaten. Sie schaute und zögerte zuerst. Dann kam sie und schaute sich das Teil aus der Nähe an. Nach eingehender Prüfung befand sie, dass es keine Gefahr für die Herde war und beachtete den Mixer nicht weiter. Es sind schon tolle Hunde aber nicht für jeden geeignet.
      Ihr Fell ist ganz besonders, darüber werde ich noch einen Bericht schreiben. Nur kurz: Es ist an den Seiten und am Kopf total flauschig und fühlt sich klasse an beim Kuscheln. Auf dem Rücken hat sie härteres Deckhaar. Wenn sie nass wird, ist das Fell sehr schnell wieder trocken. Dreck fällt beim Trocknen raus und der Hund ist wieder strahlend weiß. Zecken haben keine Chance bis auf die Haut zu kommen. Die sammle ich einfach ab. Man sieht sie gut auf dem weißen Hund. Giada richt nicht nach Hund, auch nicht wenn ihr Fell nass ist. Hab extra meine Nase darin vergraben. Aber da ist nix zu riechen. Einziger Nachteil sind die vielen weißen Fussel die überall herumliegen.

  3. Elisabeth Berger schreibt:

    Erstaunlich, wie viel sie in der kurzen Zeit schon gelernt hat! Sie kannte ja vorher wirklich gar nichts. Ich bin mir sicher, daß Giada ganz schnell so weit ist, als ob sie ihr ganzes Leben schon auf dem Gnadenhof gewesen wäre😊 Sie wird immer selbstsicherer in allen Dingen.
    Ein süßer Eisbär, ich bin so glücklich, daß du sie aufgenommen hast – ein glücklicher Maremmano mehr auf dieser Welt😍 Sitzen noch viel zuviele Tiere dieser Rasse in den Sheltern!
    LG Elisabeth

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Liebe Elisabeth,
      es fühlt sich jetzt schon so an, als ob sie schon immer bei uns gewesen wäre. Der Hund hat sich total eingefügt. Die Bindung zwischen uns ist sehr stark.
      Du hast recht, es sitzen viel zu viele dieser großartigen Hunde in kleinen Zwingern. Giada ist so glücklich, dass sie der Enge dort entkommen konnte.
      LG Susanne

  4. Isabella33 schreibt:

    Sie ist nicht nur wunderschön, sie ist SEHR lernfähig und klug.
    Da hast du einen wunderbaren Hund bekommen!
    Irgendwann denkst du nicht mehr daran, WIE schwer der Anfang war, und Giada ist DER Lotto Gewinn, denn du wohnst ja dort recht einsam.
    Liebe Grüße Heidi mit Isi

    • Elisabeth Berger schreibt:

      Genau, liebe Heidi, das hab‘ ich auch gedacht! In Giada hat Susanne die ideale Beschützerin gefunden. Sie weicht ihr nicht mehr von der Seite.
      LG auch an Isi😘😘
      Elisabeth

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Klug ist sie und selbständig und darum nicht ganz einfach. Ich würde sie eher als eine Herausforderung bezeichnen als einen Lottogewinn. Aber sind sie nicht alle ein Lottogewinn, wenn wir sie lange genug haben? 😀
      LG Susanne

  5. Paula schreibt:

    Als ich die Überschrift gelesen hatte,konnte ich mir schon so etwas denken…
    Aber dass sie so schnell kapiert hat,dass das Ding zur „Herde“,pardon ,zum Haushalt gehört ,ist schon erstaunlich.
    Ich denke auch ,dass sie wie ein Lottogewinn für Dich ist, und da sie ja noch so jung ist,hast Du wohl wirklich auf Jahre die ideale Beschützerin für Dich und den Gnadenhof gefunden.Du weißt ja ,dass ich mir immer etwas Sorgen um die Schafe mache aber so wie Du Giada beschreibst,wird sie bestimmt auch die perfekte Beschützerin vor dem „bösen Wolf“.
    Meinst Du eigentlich ,dass Silvester ein Problem für sie werden wird?Sie kennt doch sicher keine Knallerei und so heftig wie sie auf alles Fremde reagiert,wird es sicher schwierig. Aber bis dahin ist ja noch lange hin und ganz sicher vertraut sie Dir dann schon so sehr,dass Ihr auch das meistern werdet.
    Bernadett und Paula lieben übrigens unseren Brotbackautomat,weil es dort immer so leckere Krümel für sie gibt.
    Und viele weiße Fussel,die überall herumliegen,das Problem kommt mir sehr bekannt vor…
    LG Uwe

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Giada ist schon ein toller Hund. Aber man muss auch mit der Art dieser Hunde klar kommen. Sie sind eben ganz anders als andere Hunde. Man muss sich ihren Respekt erarbeiten und sie als eine Persönlichkeit sehen. Was sie auch wirklich sind.
      An Silvester mag ich noch gar nicht denken. Nicht wegen Giada, sondern wegen der Pferde und meiner Nachbarn. Ich weiß es aber ehrlich nicht, wie sie mit der Knallerei zurecht kommen wird. Momentan ist bei uns noch Brut- und Setzzeit. Da sind keine Jäger unterwegs. Deswegen kann ich nicht sagen, ob sie Schussfest ist. Beim Gewitter ist sie auf die Barrikaden gegangen. Sie hat gebellt und böse geknurrt. Zum Glück hört sie jetzt auf mich und kriegt sich wieder ein, wenn ich sage „Ist alles ok“. Das erste Gewitter war mehr als ätzend!
      Liegen bei Euch auch weiße Fussel herum? Ich muss aufpassen, dass hier nicht allen Dingen ein weißer Pelz wächst… 😉
      LG Susanne
      PS: Vielleicht backt ihr ja auch Hundekuchen im Brotbackautomaten? Darum lieben die Schlappohren den sicherlich. 😀

      • Paula schreibt:

        Die Idee mit den Hundekuchen finden beide toll!Du bringst die noch auf Ideen! So weit kommt das noch!Sie werden schon genug verwöht.
        Bernadett wirft ständig mit Fell um sich,auch wenn sie gerade frisch gekämmt ist.Dann sind die Fusseln sogar statisch aufgeladen.Das ist wohl bei den meisten weißen Hunden so.Paula „fellt“ dagegen kaum,lässt sich dafür auch nicht gerne kämmen.Ihr Fell ist auch viel härter als das flauschge von Bernadett,die es liebt,gekämmt zu werden.
        Wenigstens hat Giada keine Angst vor Gewitter,wenn Du sie beruhigen kannst läßt das ja auf Silvester hoffen.Paula hat da leider ihre schlimme Erfahrung als Junghund gemacht und reagiert dadurch immer ziemlich panisch.
        LG Uwe

        • Hilfe für Miranda schreibt:

          Ach komm, ein bis zwei selbst gebackene Hundekuchen pro Woche, sollten schon drin sein. 😀 Mit dem Fell ist das schon eine komische Sache. Hunde der selben Rasse haaren so unterschiedlich. Das hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Bei uns war es bis jetzt die Campa, die am meisten haare liegen ließ. Aber seitdem der Eisbär da ist, fallen Campas Haare nicht mehr auf.
          Ach man, dass tut mir leid weil Paula Silvester leidet. Hat sie denn auch vor Gewitter Angst?
          LG Susanne

          • Paula schreibt:

            Ja,auch Gewitter ist leider meistens ein Problem für sie.Da hilft es ihr sehr,wenn das ganze Rudel (2- und 4-Beiner ) zusammen ist.Wenn sie rechtzeitig eine Adaptil-Tablette bekommt,leidet sie auch nicht so sehr.Mit Tabletten sind wir aber eigentlich eher zurückhaltend bei ihr,wegen der Leberwerte.Es ist schon erstaunlich,manchmal ist sie schon Stunden vor einem Gewittert unruhig,hechelt und zittert und manchmal liegt sie seelenruhig,obwohl man schon von weitem den Donner hören kann.Dann scheint sie zu spüren,dass das Gewitter vorbei zieht.
            LG Uwe

  6. Paula schreibt:

    PS.Auf dem Foto sieht sie wunderschön aus…

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