Erfahrungen mit anderen Pferden – 1


Reitschule ist nicht gleich Reitschule

Vor gut 20 Jahren kam ich auf die Idee, Reitunterricht zu nehmen. Ich war damals selbstständig tätig, hatten einen Haustierservice in Hamburg. Das war meine eigene Idee, mit der ich mir einen Arbeitsplatz schuf, weil ich mit Tieren arbeiten wollte. Ich betreute überwiegend Katzen, Nager und Vögel, im Hause des Tierbesitzers. Wenn die Leute im Urlaub waren, auf Geschäftsreise oder ins Krankenhaus mussten, war ich für ihre Lieblinge da. Ich fütterte nicht nur die Mieze, machte das Katzenklo sauber und verteilte Streicheleinheiten, ich kümmerte mich auch um Haus, Garten und den Briefkasten.

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Mit dieser Tätigkeit hatte ich eine hohe Verantwortung. Die Tiere mussten jeden Tag pünktlich versorgt werden.  Die Besitzer verließen sich auf mich. Auch an den Wochenenden und Feiertagen wollten die Tiere ihr Futter haben. Wenn andere Urlaub machten oder Weihnachten feierten, war bei mir Hochsaison. Ich war damals schon Mitte 30. Da macht man sich Gedanken über die eigene Sicherheit. Ist nicht mehr so unbedarft wie ein Kind, das spielerisch reiten lernt. Ich durfte mich auf keinen Fall verletzen. Denn im Job ausfallen, war für mich nicht möglich. Die Tiere mussten versorgt werden und ich hätte keine Einnahmen gehabt.

Also suchte ich nach einer Reitschule, die Kurse für erwachsene Anfänger anbot. Da fiel mir eine interessante Werbung in die Hände. Reitunterricht für Erwachsene mit Angst, stand da. Sie hätten Erfahrung und besonders verlässliche Pferde, las ich weiter. Das war genau das, was ich suchte und auch noch ganz in meiner Nähe. Ich rief an und machte eine Probestunde aus.

Als ich auf dem Hof ankam begrüßte mich eine junge Frau. Neben ihr stand ein riesengroßer Hannoveraner Wallach. „Das Pferd soll ich reiten?“, fragte ich verwundert. Sie meinte der wäre ganz lieb und ideal für ängstliche Anfänger. Ich schaffte es kaum das Bein so hoch zu heben, um meinen Fuß in den Steigbügel zu bekommen. Dann brauchte ich all meine Kraft, um mich hochzustemmen. Als ich auf dem Pferd saß, wurde mir fast schwindelig, so hoch war es!

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Die Frau führte den Wallach zu einem kleinen, runden Paddock, der von einem winzigen und ziemlich zerfallenen Mini-Zäunchen umgeben war. Der Wallach wurde an die Longe genommen und dann ging es im Schritt los. Der marode Zaun reichte dem großen Tier gerade mal etwas über das Sprunggelenk. Neben dem Paddock lag eine Landstraße. Der Blick dahin wurde etwas von Büschen verdeckt.  Jedesmal wenn ein Radfahrer, Trecker oder Auto vorbei fuhr, ging der Wallach durch.

Es gab einen Ruck und er galoppierte in dem kleinen Kreis herum. Ich sah ihn schon mit mir und der Frau an der Longe im Schlepptau, über das Mini-Zäunchen gehen. Es dauerte immer eine Weile, bis die Frau das Pferd wieder unter Kontrolle hatte. Dann ging es kurz gut, bis der nächste Radfahrer auftauchte. Nach einer Weile hatte ich die Schnauze voll. Ich sagte ihr, dass ich hier abbrechen werde. Mir war das zu gefährlich.

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Sie hielt das Pferd an und ich stieg ab. Beim runter springen kam es mir vor, als ob es ewig dauerte, bis ich auf dem Boden ankam. Das Vieh war so elendig groß! Ich sprach die Frau darauf an, dass das nicht gerade der beste Unterricht für ängstliche Menschen sei. Da erzählte sie, der Wallach hätte vor einem halben Jahr einen Unfall mit einem Trecker gehabt. Seitdem war er nicht mehr reitbar. Sie wollte das Tier therapieren!

Ich hätte mich jetzt beinahe auf meinen Hosenboden gesetzt! Es ist ja ok, dass sie das Pferd therapieren möchte. Aber doch nicht mit Anfängern drauf! Ich fand es eine große Frechheit explizit damit zu werben, sich auf Reitunterricht für Menschen mit Angst spezialisiert zu haben.

Mein Fazit: Schaut euch ganz genau an, wo ihr Reitunterricht nehmt!

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Mit unserem Blog wollen wir auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Wir kauften sie frei, schafften einen Platz für sie und retteten ihr damit das Leben. Der Blog berichtet aktuell über das neue Rentnerleben von Miranda. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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10 Antworten zu Erfahrungen mit anderen Pferden – 1

  1. Paula schreibt:

    Liebe Susanne,

    wahrscheinlich war nicht „Reitunterricht für Menschen mit Angst“ sondern „Reitunterricht für Menschen auf Pferden mit Angst“ gemeint…
    Deine Geschichte erinnert mich an meinen Versuch,reiten zu lernen vor gut 30 Jahren.Das war ziemlich ähnlich.

    Du warst bestimmt eine ganz tolle Tiersitterin,der wir unsere Hunde auch anvertrauen würden.So etwas ist ja wirklich ein Job auf Vertrauensbasis.Schade,dass Du so weit weg wohnst…

    Die Fotos sind ganz toll.Das ist Miranda,oder?

    LG Uwe

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Lieber Uwe,
      das hatte ich sicher falsch verstanden! Ich sollte dem Pferd die Angst nehmen. 😉 Ich glaube sie hatte sich selbst nicht mehr auf das Pferd getraut. Man muss sich eine Reitschule, die Pferde und den Reitlehrer wirklich genau anschauen. Sonst kann man Sachen erleben… Dann hast Du auch so einen missglückten Versuch hinter Dir? Wie war es bei Dir?
      Meinen Job als Tiersitter habe ich geliebt. 10 Jahre habe ich das gemacht. Ich hatte ganz viele Stammkunden in Hamburg. Die meisten buchten mich immer wieder. Ich lernte hunderte von Tieren kennen. Das war sehr interessant, davon könnte ich Dir Geschichten erzählten. 😀
      Ja, das ist Miranda auf den Fotos. Ich habe keine Bilder von dem großen Wallach. Ich weiß nicht einmal mehr wie er hieß. Hab ich wohl alles verdrängt. 😉
      LG Susanne

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  2. mrothsite schreibt:

    Pferde sind wundervolle Tiere.
    Ich habe bis vor 24 Jahren in einem Reitstall gearbeitet. Selbst reiten kann ich aber nicht.
    Über die Qualität des Unterrichts kann ich nicht soviel sagten, aber ich denke die war gut.

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ja, da hast Du recht. Pferde sind wundervolle Tiere. Man muss auch nicht unbedingt reiten. Selbst wenn man Pferde nur versorgt, baut sich eine ganz intensive Verbindung auf. Über die Qualität des Reitunterrichts können sicher die Schüler mehr berichten.
      LG Susanne

      Gefällt 1 Person

  3. wolke205 schreibt:

    Das Foto mit Miranda passt super: Waaaaaaaas, soooo groß war der??? 😀

    Echt ein Albtraum!!! Gut, dass Du auf Dein Gefühl gehört und abgebrochen hast. Das ist lebensgefährlich, für Pferd und Reiter. Wie kann die Frau nur so fahrlässig handeln.

    Leider kein Einzelfall, sondern die erschreckende Mehrheit. Da werden Kinder und Erwachsene einfach auf Ponies und Pferde geschnallt die permanent durchgehen, bocken und steigen. Natürlich kann jedes Pferd mal erschrecken – aber sowas geht nicht. Als Reitschüler möchte man lernen. Aber nicht wie man am besten im hohen Bogen fliegt!

    Ich hatte ein Lieblingspferd beim ersten Reitstall. Peter. Polnischer Kaltblutmix, mit ordentlich Pfeffer im Hintern. Während einer Reitstunde hat er mich fünfmal abgebuckelt. Immer über einem Sprung. Der stand in der Mitte, gelandet bin ich jedes Mal an der Bande rechts… Und er sprang sogar mehrfach über mich, als ich schon am Boden lag… Da reichte es mir mit meinen 11 Jahren. Es war ein alter Reitlehrer vom Militär, der hatte normal einen Ton am Leib dass einem Angst und Bange werden konnte. Bei der Schwester unserer jetzigen Stallbetreiberin habe ich dann eine Einzelstunde bekommen, mit ihm, Anfänge Springen. Und zwei Gerten links und rechts. „Bevor der überhaupt vor dem Cavaletti abspringt, knallst du ihm die auf die Schultern!“ Ich hatte solche Angst wieder zu fliegen, hab s gemacht, Peter war so verdattert, dass er einfach nur sprang. Und wieder. Und wieder. Nicht ein Buckler. Was war ich stolz auf mich.

    Es ist wirklich wichtig, dass Reiter und Pferd zusammen passen. Erst ein Jahr später, auf dem Fjordgestüt habe ich gelernt was richtig gut ausgebildete Pferde und logisch aufgebauter Reitunterricht Wert sind.

    Schade, dass wir so weit auseinander wohnen. Auf Shaman könntest Du wirklich ganz in Ruhe reiten lernen. Bei unsicheren Reitern, generell Kindern, ist er so vorsichtig 😀 Bei mir und Mutti schlägt er schon mal Haken wie ein Hase 😀

    Drück Dich

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ja, der war elendig groß. Als Anfänger verlässt man sich auf die Reitlehrerin und die macht so einen Scheiß. Nicht jeder Pferdemensch ist vertrauenswürdig. Und nicht in jeder Reitschule lernt der Schüler wirklich. Ich bin zum Glück noch nie runter gefallen. Deine Geschichte zeigt, wie unbedarft Kinder an die Sache ran gehen. Als Erwachsener machst du dir ganz andere Gedanken. Da ist eine Verletzung weit aus schlimmer. Kinder tun sich auch meistens nichts, wenn sie fallen. Du warst ganz schön mutig! 😀
      Ich habe nach dieser Erfahrung eine gute Reitlehrerin gefunden. Davon will ich auch noch berichten. Später habe ich kurz ins Westernreiten reingeschnuppert. Da hatte ich einen kleinen weißen Schimmel, ähnlich wie Shaman. Der Joe war ein bisschen dick, gutmütig und faul. Da musste man sich durchsetzten, weil er nicht arbeiten wollte. 😉
      Drück Dich ❤

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  4. Rainbow schreibt:

    Unverantwortliche so etwas…

    Ich habe zum Glück in der Nähe eine Reitstall gefunden wo der Trainer einfühlsam ist und die Pferde gut ausgebildet sind. Sonst hätte ich wohl nach meinem Unfall nicht wieder gelernt, angstfrei zu reiten.

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  5. Elisabeth Berger schreibt:

    Als Reitlehrer(in) trägt man sicher eine sehr große Verantwortung für Mensch und Tier. Schade, daß man immer wieder von „schwarzen Schafen“ in der Branche hört.
    Als Kind wurde ich öfter vom Nachbarn auf sein ungesatteltes Pferd gehoben und es trabte an. Er wollte mir sicher was Gutes tun, aber es fiel mir so schwer, mich auf dem riesigen Tier zu halten. Man merkte genau die enorme Kraft des Pferdes. Es ist wirklich kein Spielzeug! Und sehr leichtsinnig und unverantwortlich, dem Pferd ohne den nötigen Respekt, der Kenntnis und der Liebe zu ihm, zu begegnen.
    LG Elisabeth

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Was Dein Nachbar gemacht hat war aber auch nicht verantwortungsbewusst. Dir hätte auch sonstwas passieren können. Ich glaube es gibt viele Menschen die Pferde haben und sich gar nicht richtig damit beschäftigen. Wie Du schon geschrieben hast. Es gehört Respekt dazu und Kenntnis. Und man muss die volle Verantwortung übernehmen. Das schaffen ja noch nicht einmal alle Hundebesitzer.
      LG Susanne

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