Andere Perspektiven

Früher wurden Pferde als Arbeitstiere gebraucht. Die Menschen hatten noch keine Maschinen. Sie setzten die Kraft der Pferde ein, um z.B. Waren zu transportieren, den Acker zu bestellen, weite Strecken zurück zu legen. Auch in großen Städten wurden Pferde gehalten. Sie zogen Kutschen, Bierwagen, Straßenbahnen und andere Gefährte. Pferde dienten als Fortbewegungsmittel und als Kriegstier. Unzählige Pferde verloren ihr Leben, in unzähligen Kriegen.

Heute hat sich das Leben der Menschen geändert. Sie brauchen kein Pferd mehr, um von A nach B zu kommen. In der Landwirtschaft und im Transportwesen haben Maschinen die Pferde ersetzt. Pferde sind heute im Sport und als Freizeitpartner für den Menschen da. Doch hat sich das Leben der Pferde dadurch verbessert? Werden sie ihrer Art entsprechend gehalten? Ist überhaupt etwas, was wir von den Pferden verlangen, artgerecht?

Bachus-17.07.2016-Kopf

Die meisten Pferde stehen in warmen Ställen. Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens in einer Box. Viele werden nur für eine Stunde zum Reiten aus der Box geholt. Einige dürfen für ein paar Stunden mit anderen Pferden auf dem Paddock stehen. Wenige dürfen für eine begrenzte Zeit auf die Weide.

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Sieht so das natürliche Leben eines Pferdes aus, an das es seit Urzeiten angepasst ist? Sicher nicht und das macht Pferde krank. Sie bekommen Probleme mit den Atemwegen und dem Bewegungsapparat. Ein Pferd ist nicht zum langen Stehen gemacht, es bewegt sich ständig. Es zieht im Herdenverband, im Schritt-Tempo, über die Steppe. Schritt ist das natürliche Tempo des Pferdes. Nur wenn eine Gefahr droht, galoppiert es davon. Im Normalfall zieht es langsam und ständig grasend über die Steppe.

Miranda-17.07.2016-Kopf

Wenn Pferde die Möglichkeit haben sich frei zu bewegen, zeigen sie ihr natürliches Verhalten. Wir können beobachten, dass sie einen ganz bestimmten Lebensrhythmus haben. Sie fressen ein bis zwei Stunden, dann ruhen sie ein bis zwei Stunden, dann fressen sie wieder, dann ruhen sie wieder. Das geht so weiter und zwar 24 Std. lang, also auch in der Nacht. In der Ruhephase dösen Pferde meistens im Stehen. Bis zu zweimal innerhalb 24 Std. legen sie sich für kurze Zeit zum Schlafen hin.

Miranda-17.07.2016-Stirn

Was kann ein Pferd in einem Reitstall an natürlichem Verhalten ausleben?
Wir sperren es in eine Box. Ein Pferd würde nie freiwillig stundenlang auf einer Stelle stehen bleiben. In der Box steht es allein, hat keinen direkten Kontakt zu Artgenossen. Ein Pferd würde nie freiwillig den Schutz der Herde verlassen.
Der Stall ist geschlossen und warm. Pferde brauchen frische Luft. Sie haben eine empfindliche Lunge, die vom Staub und Ammoniakgehalt der Stall-Luft geschädigt wird.
Das Pferd wird zweimal täglich gefüttert. Ein Pferd muss ständig (Tag und Nacht) kleine Mengen fressen. Fresspausen sind gefährlich, es besteht die Gefahr von Koliken.
Wir füttern zu viel Kraftfutter, Heu wird eingeteilt und steht nicht ständig zur Verfügung. Die Verdauung des Pferdes braucht aber Raufutter. Es ist an karge Gräser angepasst. Gras und Heu ist die natürliche Nahrung eines Pferdes.
Wir treiben es an, um Rennen zu gewinnen und über Hindernisse zu springen. Ein Pferd galoppiert nur in Todesangst davon. Im Rennen zu laufen, ist für ein Pferd purer Stress. Die meisten Rennpferde haben Magengeschwüre. Ein Pferd würde nie freiwillig über ein Hindernis springen. Es läuft, wenn es die Möglichkeit hat, immer um ein Hindernis herum.

Pferde-17.07.2016-folgt-mir-1

Ein Pferd wirklich artgerecht zu halten, ist nicht leicht. Aber jeder Reiter sollte sich über dieses Thema ein paar Gedanken machen. Besonders, wenn das Pferd gesundheitliche Probleme hat. Meistens ist eine Änderung in den Haltungsbedingungen schon die Lösung. Wenn es noch nicht zu spät ist.

Pferde-17.07.2016-folgt-mir-2Bachus meint, eine Änderung der Haltung kann wie ein Jungbrunnen sein.

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Mit unserem Blog wollen wir auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Wir kauften sie frei, schafften einen Platz für sie und retteten ihr damit das Leben. Der Blog berichtet aktuell über das neue Rentnerleben von Miranda. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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10 Antworten zu Andere Perspektiven

  1. Isabella33 schreibt:

    Liebe Susanne,
    ich wußte das zwar ALLES, aber man kann es nicht oft genug schreiben!!!!
    Das Bachus Foto habe ich mir gemopst.
    Danke auch für die schönen anderen Bilder.
    Liebe Grüße Heidi mit Isi

  2. Elisabeth Berger schreibt:

    Liebe Susanne,
    vielen Dank für den guten Bericht und die wunderschönen Fotos😍

    LG Elisabeth

  3. wolke205 schreibt:

    Im Großen und Ganzen stimm ich Dir absolut zu. Die Haltung von vielen Pferden ist leider immer noch alles andere als artgerecht. Dann noch diese verbreitete Unsitte vom Stallruhetag, wo die Pferde gar nicht rauskommen..! Gefüttert, gefegt, gemistet wird am besten bei geschlossenen Türen, vor allen Dingen im Winter.. Nicht dass der Mensch noch friert. Knurr.

    Shaman steht den ganzen Tag draußen. Früher im Offenstall, dann eine zeitlang leider in der Box weil kein Offenstall mehr war. Seit etlichen Jahren in seiner Paddockbox. Er kann rein und raus wie er möchte. Hat viel Heu zur Verfügung, den Sommer über sind sie nachts komplett auf der Koppel, sonst tagsüber wenigstens 6 Stunden. Kraftfutter bekommt er, aber keinesfalls diese Massen die gerne verfüttert werden. Bewegung und Arbeit immer so wie s ihm geht, sehr viel Schritt. Trab und Galopp angepasst.

    Aber keinesfalls galoppiert ein Pferd nur weil es Todesangst hat und vor einem potenziellen Feind flieht. Sie spielen, messen ihre Kräfte und bringen so ihre pure Lebensfreude zum Ausdruck. Das hat aber nix mit dem zu tun was Rennpferden angetan wird. Teils 9 Monate alte Fohlen auf dem Laufband und dann muss der Knochenbrecher anrücken, weil das kaum einjährige Tier trotz!!! (ich könnt kotzen) Ausbindern nicht mehr korrekt laufen kann. Eines meiner Lieblingspferde war ein aussortierter Galopper. Libonit hatte starkes Nasenbluten bekommen. Auch nach Jahren war er sofort schweißnass vor Angst und hat panisch gezittert, wenn er nur etwas gehört hat was einer Glocke beim Rennen ähnlich war 😦

    Shaman springt auch sehr gerne. Es gibt Pferde die es mögen und andere eben nicht. Das sollte man respektieren und die Pferde nicht zwingen. Früher haben wir Shaman gerne auf dem riesigen Außenplatz laufen lassen, dort standen auch immer viele Hindernisse. Wenn er richtig gut drauf war, ist er von allein über die Hindernisse und hat hinterher fröhlich gebuckelt. Da hab ich angefangen mit der Stangenarbeit. Höher als 1,20 m sind wir aber nie gesprungen.

    Die Fotos sind übrigens total schön und ich hoffe die Zwei können ihr wohlverdientes Rentnerleben bei Dir noch lange genießen ❤

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Das Galoppieren bezog sich aufs Rennen. Hab ich vielleicht etwas unverständlich geschrieben. 😉 Du hast selbst erlebt, was mit einem aussortierten Sportpferd los war. Pferde werden im Sport verheizt. Kein Sportpferd wird alt. Wenn sie nicht mehr können gehen sie erst in die Zucht. Später gehts zum Schlachter. Wenn sie verletzt sind gehts zum Schlachter. Im Rennsport geht es um sehr viel Geld. Nur deswegen werden die Pferde gezüchtet. Um einen Sieger zu züchten, bleibt der Rest einfach auf der Strecke. Aber das wird sich nicht ändern, solange so viel Geld dahinter steckt.
      Knuddel ❤
      PS: Schön, dass Dir die Bilder gefallen. Die sollten zur Überschrift passen: "Pferde aus einer anderen Perspektive gesehen!" 😀

    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Noch vergessen:
      Ich habe den Beitrag extra ein bisschen provokant geschrieben. Reiter die ihr Pferd im Reitstall eingestellt haben, sollen sich ruhig mal Gedanken über das Thema machen. Sie gehen zum Reiten in den Stall, haben aber kaum etwas mit der Versorgung ihres Pferdes zu tun. Klagen weil ihr Pferd immer wieder Koliken hat, Hustet, keine Luft bekommt, alle Nase lang eingerenkt wird und nix hilft. Das Pferd bleibt weiter die meiste Zeit seines Lebens in der Box stehen, bekommt nur 2 x tgl Heu zugeteilt usw. Aber wie Du siehst, andere Pferdehalter melden sich nicht zu Wort. Finde ich toll von Dir, dass Du Dich geäußert hast! ❤

      • wolke205 schreibt:

        Genau das mag ich ja an Dir, dass Du die Dinge beim Namen nennst und wir auch über alles diskutieren können 🙂 Ja, das stimmt. Wahrscheinlich weil einige sich selbst wieder erkannt haben und sich angesprochen fühlen. Das ist natürlich erstmal unangenehm. Wenn es sie aber zum Umdenken bewegt, hat es sich gelohnt. Wir sollten alles dafür tun, dass unsere Pferde lange gesund bleiben und so artgerecht wie möglich gehalten werden. Da gehört für mich das Training aber auch dazu. Was es mit agilen, intelligenten und bewegungsfreudigen Pferden macht die nur auf der Weide vergammeln, habe ich leider auch oft genug erlebt. Man muss das gesunde Mittelmaß finden. Dann haben wir glückliche, gesunde Pferde und dürfen das Reiten genießen. Für konstruktive Kritik bin ich auch immer offen. Wenn ich etwas verbessern kann, warum sollte ich das nicht wollen? 🙂

        • Hilfe für Miranda schreibt:

          Und genau deswegen mag ich Dich so sehr! ❤ Mit Dir kann man reden, auch wenn man mal nicht einer Meinung ist. Da ist keiner beleidigt und zieht sich in sein Schneckenhaus zurück. Es gibt ja Menschen die total austicken, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt haben. Die nur Schwarz und Weiß kennen. Bei einem falschen Wort kippt alles und sie werden komisch.
          Wir versuchen alles so gut wie möglich zu machen. Wir hören uns Ratschläge an und nehmen gute Vorschläge an. Vielleicht finden andere Reiter, die das lesen Wege, ihren Pferden bessere Bedingungen zu schaffen. Jede Tierart hat andere Bedürfnisse, unsere Aufgabe ist es diese zu erfüllen.
          Knuddel ❤

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