Nachdenklich

Ein Gespräch mit einem zum Glück ehemaligen Pferdezüchter machte mich sehr nachdenklich. In den 1950er – 60er Jahren kamen einige Bauern auf die Idee, als zusätzliche Einnahmequelle, Hannoveraner zu züchten. Die Pferde dienten damals noch in der Landwirtschaft. Der besagte Züchter erzählte mir, dass er erst spät in den 1970er Jahren einen Treker kaufte. Bis dahin mussten seine Pferde auf dem Feld arbeiten. Auch die Stute, die gerade gefohlt hatte. Das Fohlen blieb währenddessen allein im Stall zurück. Mittags, wenn der Bauer zum Essen heim fuhr, konnte das Fohlen bei der Mutter trinken. Danach ging es für die Stute wieder aufs Feld. Das Fohlen blieb im Stall. Der Bauer meinte, das ging damals auch und hätte niemanden geschadet! Er findet das heute noch richtig.

Zum Glück hat sich heute einiges in der Pferdehaltung geändert. Zuchtstuten werden nicht mehr für die Arbeit eingesetzt. Fohlen bleiben bei ihren Müttern. Trotzdem könnte sich noch mehr für die Zuchtstuten ändern. Sie dürften nicht mehr als Gebärmaschinen missbraucht werden. Nach der Geburt ihres Fohlens, werden sie sofort neu belegt. Während sie ihr Fohlen säugen, wächst schon das nächste in ihnen heran. Der Körper der Stute hat keine Chance sich zu erholen. Sobald sie kein lebendiges Fohlen mehr auf die Welt bekommen, gehen sie zum Schlachter. Als Dank für ihren jahrzehntelangen Einsatz, sozusagen. Auch hierrüber sollten wir uns Gedanken machen, finde ich. Die meisten Pferde werden nicht alt. Sind sie nicht mehr reitbar, schwierig im Umgang, bringen nicht die erhoffte Leistung im Sport, haben sich verletzt – schon bedeutet es schnell das Todesurteil für das Pferd. Müssen wir wirklich so viele Fohlen produzieren und Pferde verheizen?

Vielleicht wird in 45 Jahren jemand über unsere Art mit Zuchtstuten umzugehen schreiben: „Mich hat es sehr nachdenklich gemacht…“

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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10 Antworten zu Nachdenklich

  1. einfachtilda schreibt:

    Das habe ich alles nicht gewußt liebe Susanne und finde das furchtbar 😦

    GLG Mathilda ❤

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Nun weißt Du´s liebe Mathilda und kannst es weiter erzählen, weil es die meisten nicht wissen. Nur so ändert sich die Situation für die Pferde und vielleicht wollen ja auch ein paar Menschen mit Herz mithelfen… ❤
      LG Susanne

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  2. Isabella schreibt:

    Es ist so furchtbar, und es müsste viel öfter und überall zu lesen sein!!
    Liebe Grüße Heidi mit Isi

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Das finde ich auch liebe Heidi. Ich kann nicht nur über die dunkle Seite schreiben. Sonst habe ich bald keine Leser mehr. Deswegen gibt es hier auch hin und wieder Unterhaltung. Aber trotzdem sollten wir unsere Aufgabe nicht aus den Augen verlieren. Und die ist besteht auch darin Menschen über die Umstände aufzuklären.
      LG Susanne

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  3. Fellmonsterchen schreibt:

    Wofür werden heute eigentlich so viele Pferde gezüchtet? Für den Pferdesport? In der Land- und Forstwirtschaft ist doch mittlerweile so fast alles automatisiert, so dass Pferde da nicht mehr die große Rolle spielen, wenn überhaupt…
    Das ist so schlimm wie die furchtbare Massenzucht bei Hunden. 😦 Ich bin momentan auf einigen Tierhilfeseiten am Gucken, und da stolpere ich auch immer wieder über furchtbare Geschichten.

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Im Pferdesport steckt sehr viel Geld. Dafür müssen immer neue Pferde her, die darin verheizt werden. Das ist ein gigantisches Geschäft. Die meisten Pferde, die in den Pferdsport gehen werden nicht alt. Schon eine Verletzung oder wenn sie die erhoffte Leistung nicht bringen, bedeutet das aus. Nicht jedes Fohlen wird ein Superstar. Aber der Züchter hofft mit jedem Fohlen den Hauptgewinn zu machen. Aber auch die meisten Freizeitreiter behalten ihren „Reitpartner“ nur so lange, wie er reitbar ist. Boxenhaltung, zu frühes Anreiten, zu starke Belastung usw. macht die Pferde krank. Dann geht es ab in die Wurst und es kommt ein neues reitbares Pferd.
      Miranda hatte einfach Glück, weil ich von ihrer bevorstehenden Schlacht erfahren hatte. Sonst wäre ihr Leben als Zuchtstute 2011 beim Schlachter beendet worden. Genau wie das ihrer Mutter und wie das was ihren Töchtern bevor steht. Dann heißt es: „Das war schon immer so“!
      LG Susanne

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  4. wolke205 schreibt:

    Gerade erst gestern habe ich wieder auf Facebook so ein Schicksal gelesen… 18 jährige Stute, zum Schlachter abgeschoben, nachdem sie 14 Fohlen gebracht hat und so ausgemergelt ist, dass der „Züchter“ sie nicht mehr brauchen kann. Jetzt wird dringend ein Platz für sie gesucht bevor es zu spät ist.

    Eine gut geführte Zucht ist eine Sache – aber die jährliche Belegung der Stuten eine andere… Nach spätestens 2 Fohlen sollten die Stuten sich 1 – 2 Jahre erholen dürfen. Leider müssen ja schon sehr junge Stuten belegt werden, da sie nur mit mindestens einem Fohlen die Chance auf eine Staatsprämie haben…und da geht das Übel los…

    Wo Geld die Welt regiert, müssen immer Tiere (und leider auch Menschen) darunter leiden 😦

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ich kenne keine einzige anders geführte Pferdezucht. Hier in der ganzen Gegend sind die Züchter der Meinung, eine Stute muss sofort nach der Geburt wieder gedeckt werden. Ich kenne keinen Züchter, der eine Stute ein Jahr leer stehen lässt. Das sind nur unnötige Kosten für den Betrieb. Am Ende landen alle ausrangierten Zuchtstuten beim Schlachter. Von den wenigsten erfahren wir. Hoffentlich findet Ihr für die von Dir genannte Stute einen Platz. Als ich einen für Miranda suchte, war das aussichtslos. Deswegen nahm ich sie als letzten Ausweg zu mir.
      Ich drück ganz doll die Daumen für die Stute! ❤
      LG Susa

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