Im zweiten Anlauf

Seit gestern ist endlich das Eis auf der Weide verschwunden. Es war zwar schon einige Tage richtig warm, mit 5 bis 9 Grad, aber der frostige Boden blieb tückisch. Unter dem Tauwasser versteckte sich eine gefährliche Eisschicht. So konnten die Pferde erst gestern auf die Weide. Gut 2 1/2 Wochen mussten sie aus Sicherheitsgründen im Stall stehen.

Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich die Pferde aus der Box ließ. Ich hoffte sehr, dass Miranda ruhig bleiben würde. Sie ging zuerst sehr langsam und vorsichtig aus dem Stall. Bachus trottete hinterher. Draußen gingen sie im ruhigen Schritt etwas hin und her. Blieben stehen, schauten sich um und schnupperten am Boden. Bachus begann bald am Gras zu knabbern, Miranda wälzte sich.
Doch als sie wieder hoch kam, drehte sie plötzlich kurz und heftig auf. Sie galoppierte ein Stück und schlug mit den Hinterbeinen hoch nach oben aus. Dann beruhigte sie sich aber wieder. Ich stand gute 15 Minuten auf meinem Beobachtungsposten und dachte, nun passiert nichts mehr. Also ging ich die Boxen ausmisten.

Ungefähr 10 Minuten später geschah es. Auf einmal drehte Miranda völlig ab. Im Galopp ging es richtung Stall, kurz davor drehte sie und raste wild schnaubend in die andere Richtung. Diesmal machte sie sogar unser etwas zu groß geratenes Reitpony verrückt. Bachus, der sonst der ruhige Ruhepol ist, drehte auch durch. Leicht panisch galoppierte er hinter der völlig durchgedrehten Stute her. Am Ende der Weide drehten die Pferde um und rasten diesmal in den Stall. Todesmutig stellte ich mich Miranda in den Weg und hielt sie am Halfter fest. Mein Arm hing in großer Höhe, weil sie vor lauter Angst den Kopf so hoch erhoben hatte. Beruhigend redete ich auf das schnaubende und bebende Pferd ein. Mich wundert es immer wieder, wo ich den Mut hernehme, in solch einer Situation einzugreifen. Denn eigentlich bin ich alles andere als mutig. So ruhig und bestimmt wie möglich, führte ich Miranda in ihre Box und bat Bachus in seine zu gehen. Der hatte sich in der Zwischenzeit schon wieder beruhigt.

Für Miranda präparierte ich ein Leckerchen mit Rescuetropfen. Bachblüten samt Leckerlie rein ins Pferd und etwas abgewartet. Nach ein paar Minuten war die Dame vollkommen entspannt. Der Kopf war wieder unten und ihre Unterlippe hing entspannt runter. Trotzdem holte ich diesmal den Führstrick, denn ich wollte erst einmal testen, ob sie außerhalb der Box auch ruhig bleibt. Ich führte sie aus der Box und stellte sie vor die Heuraufe. Nach eine Weile fing Miranda an am Heu zu knabbern. Bald futterte sie Heu, als ob nie etwas gewesen wäre. Nach einer Weile löste ich den Führstrick, blieb aber noch neben ihr stehen, um notfalles einzugreifen. Doch diesmal ging alles gut. Man was war ich froh!

Heute morgen hat sie vorsichtshalber gleich Bachblüten bekommen, bevor sie auf die Weide kam. Und heute gab es keine Probleme, obwohl wir wieder einen ziemlich heftigen Sturm haben, der die Pferde zusätzlich nervös macht.

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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10 Antworten zu Im zweiten Anlauf

  1. einfachtilda schreibt:

    Oh man, das ist ja heftig, wie Miranda da reagiert hat und ich freue mich, dass die Bachblüten helfen. Will immer keiner glauben, meinen, dass es nichts taugt, aber bei Nachbars Katze haben sie auch sehr gut geholfen, sie bekommt sie immer noch, da sie seit Silvester nicht mehr nach drauße geht….schon schlimm mit der Mieze.

    LG Mathilda ♥

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Die arme Mieze! Silvester ist echt schlimm für Tiere. Hoffentlich helfen die Bachblüten langfristig. Ich bin jedesmal erstaunt, wie schnell die Rescuetropfen bei Miranda wirken. Hätte ich selbst nie geglaubt, wenn ichs nicht erleben würde. 😀

      LG Susanne ♥

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  2. Isabella schreibt:

    hallo Susanne,
    ich bewundere deinen Mut, und bin froh, dass bei Miranda die Rescuetropfen helfen!
    Liebe Grüße Heidi

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  3. wolke205 schreibt:

    Gut, dass Du die Tropfen hast und diese so schnell anschlagen bei Miranda*puh* Noch besser, dass Du sie danach am Strick raus genommen hast – ich bin vor etlichen Jahren mal im Halfter hängen geblieben und führe kein Pferd mehr ohne Strick. Damals hatte ich gerade mit dem Reiten angefangen, hatte nicht viel Ahnung und es hat einen auch niemand darauf hingewiesen wie gefährlich es sein kann. Es war dunkel, wir haben die Pferde reingeholt – Ashari war die Letzte und fast 1,80 m groß (wie bin ich da überhaupt hoch gekommen..?). Dann hupte ein LKW von der Straße aus und da stieg sie..und ich hing im Halfter fest, wurde hochgeschleudert, dann fiel sie auf mich drauf…Erst als sie mich einige Meter mitgeschleift hatte, kam ich endlich los..ich hatte deutliche Hufabdrücke auf der Wirbelsäule (auch im Halsbereich) und stand unter Schock.

    Hat sich der Sturm inzwischen wieder gelegt? Hier tobt er immer noch und bei dem Platzregen konnt ich wieder nur ne halbe Stunde raus mit Hundi. Shaman lässt das Wetter kalt 😉

    Knuddel ♥

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Oh man, das ist ja eine Geschichte! Da hast Du damals verdammtes Glück gehabt!
      Ich achte in kritischen Situationen darauf, im Notfall loszulassen und auch notfalls beiseite zu springen. Pferde sind Fluchttier und nunmal unberechenbar. Von einer Sekunde auf die andere kann aus dem lieben, braven Pferd, eine ängstliche Furie werden.

      Der Sturm hatte noch die ganze Nacht getobt. Eigentlich geht es schon seit vorgestern rund. Mit einigen kleinen Verschnaufpausen, müssen wir hier gute 2 Tage und Nächte einiges aushalten. Ein Baum ist vorgestern schon umgeknickt, sonst ist aber alles heil geblieben.

      Hoffe bei Euch ist der Sturm durch! ♥

      Knuddel ♥

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  4. Ocean schreibt:

    Puh ..das hört sich ja wirklich gefährlich an .. ein Glück, dass du Miranda beruhigen konntest. Die Tropfen sind wirklich gut. Und super, dass sie auf Bachblüten überhaupt so gut anspricht.

    Alles Gute für Euch und ganz liebe Grüße 🙂
    Ocean

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  5. meintagesablauf schreibt:

    Du bist echt mutig. Ich weiß nicht, ob ich mich trauen würde mich einem Pferd in den weg zu stellen. Aber ich habe ja auch keine Erfahrung damit.
    LG Gabi

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Liebe Gabi,

      das war eher der Mut der Verzweiflung. 😀
      Ich habe einen großen Vorteil, ich kann in kritischen Situationen sehr ruhig bleiben. Das hilft ungemein und hat schon einige Menschen gewundert. Aber als mutig würde ich mich nicht bezeichnen.

      LG Susanne

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