Die Spanier

Heute geht es mal nicht um die Pferde. Es leben noch ein paar andere Tiere bei mir auf dem Hof, die niemand haben wollte. Vor einiger Zeit bat mich ein Leser auch über diese Tieren zu berichten, weil so die Zusammenhänge für Außenstehende besser verständlich werden.
Deshalb stelle ich euch heute die Hunde vor. Es sind ehemalige spanische Straßenhunde, die in ihrem Land keine Chance auf ein Zuhause hatten.

Als erstes ist da Chica, ein Podenco-Pointer-Mix, ein Spanischer Jagdhund.


Dies ist das 1. Bild von Chica als sie zu mir kam.

Chica kommt von der Insel Fuerteventura. Diese beliebte Urlaubsinsel war für die Hündin kein Paradies. So weit es sich nachvollziehen lässt, muss Chica auf der Straße gelebt haben. Ob sie ein Welpe von einer Straßenhündin war oder bei einem Jäger geboren wurde, ist unbekannt. Jagdhunde haben es in Spanien allerding auch nicht besser als Straßenhunde. Die Jäger halten ihre Hunde außerhalb der Jagdsaison an kurzen Ketten oder in Zwingern. Sie versorgen die Tiere gerade so mit Futter und Wasser, das sie nicht eingehen und in der nächsten Saison wieder zum Jagen benutzt werden können. Hunde die sich als nicht jagdtauglich zeigen, werden vom Jäger entsorgt. Sie werden entweder mit Stricken in den Bäumen erhängt, ertränkt, mit Benzin übergossen und angezündet oder einfach nur ausgesetzt. Der Fantasie der Männer ist hierbei keine Grenzen gesetzt. Manche Hunde werden auch einfach in den Tötungsstationen abgegeben. Dort werden sie unter den schlimmsten Umständen 12 Tage aufbewahrt und dann getötet.

Chica wurde gemeinsam mit ihrem Bruder Chico von irgend jemanden auf der Insel eingefangen und an eine kurze Kette gelegt. Tierschützer von der Tierhilfe Fuerteventura e.V. überredeten diese Leute die Hunde rauszugeben. Die waren irgendwann einverstanden und so flogen die Tierschützer Chica & Chico nach Deutschland aus. Sie kamen auf eine Pflegestelle und Bruder Chico wurde bald vermittelt. Er war nicht ganz so ängstlich wie seine Schwester. Chica war aber durch ihre schlimmen Erlebnisse auf der Straße und an der Kette so voller Angst, dass sie regelrecht panisch reagierte. Sie hatte ihr Vertrauen zu den Menschen vollkommen verloren. Wenn Interessenten auf die Pflegestelle kamen um sie anzuschauen, machte sie vor lauter Angst unter sich. Sie ließ sich nicht anfassen, wich allen Leuten aus. Als ich Chica auf der Pflegestelle sah, war sie schon 1 1/2 Jahre dort. Ihr Verhalten hatte sich kaum gebessert. Einmal gab es in dieser Zeit einen Vermittlungsversuch, aber die Leute brachten sie nach 4 Stunden wieder, weil Chica nur Angst hatte. Danach wollte sie niemand mehr haben. Sie war eine Dauersitzerin auf der Pflegestelle.
Eigentlich war ich wegen eines anderen Hundes dort. Doch dann sah ich Chica und sprach sie an. Ich kniete mich hin und Chica kam zu mir. Sie ließ sich sogar von mir anfassen. Das hatte sie noch nie gemacht! Da war für mich klar, ich würde diese Hündin zu mir nehmen. Damals war Chica ungefähr 6 oder 7 Jahre alt. Sie lebt jetzt gut 3 Jahre bei mir und hat enorme Fortschritte gemacht. Sie hat sich von einem Angsthund in ein selbstbewusstes, sanftes und vorsichtiges Wesen verwandelt!

Als zweites ist da Campa, ein Ratonero Bodequero Andaluz, ein Spanischer Terrier.


Campa frisch aus Spanien gekommen, auf ihrem Bett in der Küche.

Campa kommt aus der Gegend Kastilien-La Mancha. Sie war ein Straßenhund, der in einem zur Ruine verfallenen Steinhaus, ohne Dach, mit anderen Straßenhunden zusammen lebte. Tierschützer entdeckten die Hunde dort und fütterten sie. Campa war scheu und schlau, sie ließ sich nicht einfangen. Eine spanische Tierschützerin brachte jeden Tag Futter zur Ruine, bis sie Campas Vertrauen so weit bekam, dass es ihr gelang sie einzufangen. So landete die kleine Hündin in der Albergue Villarrobledo, die von spanischen Tierschützern betrieben wird. Diese werden von dem deutschen Verein A.S.P.A.-Friends Germany unterstützt, für den ich mich als Pflegestelle zur Verfügung stellte.
Campa war auf der Seite von ASPA als Notfall ausgewiesen, weil sie sich aufgegeben hatte. Sie lag den ganzen Tag apathisch im Auto der Tierschützer und verließ dieses nur, um zu Fressen oder ein Häufchen zu machen. Außerdem hatte sie angefangen über die Zäune der Albergue zu klettern, was natürlich sehr gefährlich für die Hündin war. In Spanien hält kaum jemand an, wenn ein Hund vor das Auto läuft. Viele halten sogar drauf und versuchen den Hund zu erwischen! Außerdem kann ein Straßenhund erschossen, oder von den städtischen Tierfängern eingefangen werden. Dann kommt er in die Tötung! Die Tierschützer machten sich viele Sorgen, wenn Campa mal wieder über den Zaun gekletter war. Da ich gerade meinen letzten Pflegehund vermittelt hatte, erklärte ich mich bereit, Campa aufzunehmen. Sie kam also als Pflegehund zu mir, war ca. 2 oder 3 Jahre alt und total traumatisiert. Die vielen Hunde, die Hektik und das eingesperrt sein in der Alberge, hatte sie nicht gut überstanden. Das war alles zu viel für die intelligente Hündin und sie hatte sich aufgegeben. Nun war sie in Deutschland und in Sicherheit aber woher sollte sie das wissen. Die erste Woche lag sie nur in der Küche, auf dem Hundebett. Sie zeigte kaum eine Gefühlsregung, benahm sich ähnlich wie ein Mensch mit Depressionen. Nach einer Woche taute sie langsam auf. Plötzlich zeigte sie, was wirklich in ihr steckte: Ein Terrier der zum Rattentöten gezüchtet wurde. Dieses liebe kleine Hündchen, konnte blitzschnell zum entschlossenen Jäger mutieren. In sekundenschnelle kletterte sie über den Gartenzaun und riss eines meiner Hühner! Jetzt wurde ihr extrem starker Jagdtrieb erkannbar. Dieser Hund hatte sich in Spanien mit jagen am Leben gehalten. Campa war also zum Schutz der Wildtiere nicht ableinbar. Man konnte sie auch nicht ohne Aufsicht im Garten lassen, da sie wirklich über jeden Zaun klettern konnte! Es war klar, mit diesem Hund musste viel gearbeitet werden. Leider wollte sie deswegen niemand haben. Nachdem sie 10 Monate bei mir war, entschloss ich mich sie zu behalten. Ich brachte es nicht übers Herz, Campa aus ihrer gewohnten Umgebung zu reissen.

Diese beiden Hunde haben sich trotz ihrer Vergangenheit zu liebenswerten Haushunden entwickelt. Sie haben eine starke Bindung zu mir aufgebaut, sind selbstbewußt und anpassungsfähig. Sie haben viel gelernt, können sogar ein paar kleine Kunststücke, wollen immer alles richtig machen und gefallen. Hundetrainer und -psychologen sagen, wenn ein Welpe in der Prägephase keinen Umgang mit den Menschen gelernt hat, wird das nix mehr. Ich kann das nicht bestätigen. Selbst Straßenhunde die nie eine Bindung zum Menschen hatten, können trotzdem gute Familienhunde werden. Sie sind natürlich viel selbständiger als unsere deutschen Hunde, weil sie für sich selbst sorgen mussten. Ein Straßenhund muss immer die richtige Entscheidung treffen, hiervon kann sein Leben abhängen. Trotzdem sind auch diese Hunde froh, wenn ein Mensch die Aufgabe als Rudelführer übernimmt. Dieser Mensch muss sich nur als zuverlässig und vertrauenswürdig erweisen.

Hier sind zwei Videos, wie Chica und Campa eine Aufgabe lösen. Ein Hund darf das Spiel machen, der andere muss warten und zuschauen. Wie ihr seht, sind beide mit Begeisterung dabei und warten auch wirklich, bis sie das Kommando zum Suchen bekommen!

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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15 Antworten zu Die Spanier

  1. wolke205 schreibt:

    Campa ist etwas fixer bei der Sache, aber auch nicht so umsichtig wie Chica 😀 Beide sind echt schöne Hunde und ich freue mich, dass auch diese zwei Fellnasen bei Dir ein so schönes Heim gefunden haben – vor allen Dingen eines für immer…

    Ganz liebe Grüße

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Liebe Wolke,

      das hast Du genau richtig beobachtet. Chica ist die umsichtige, sie legt die Holzteile alle ordentlich auf einen Haufen. Campa ist die schnelle, sie weiß genau wie sie an die Leckerchen kommt. So ist jeder Hund anders. 😀

      LG Susa
      PS: Hoffe es geht Dir besser!

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      • wolke205 schreibt:

        Es wird jeden Tag etwas besser..aber es tut schon sehr weh, ihn wieder in der Vermittlung zu sehen 😦

        Wenn jemals wieder ein Hund, dann nur ein katzenklotauglicher Minihund 😦

        Ich fand das so niedlich wie zaghaft Chica alles beiseite geräumt hat und Campa schmeißt einfach alles über den Haufen, Hauptsache schnell ans Leckerchen 😉

        Liebe Grüße

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  2. kowkla123 schreibt:

    Campa und Chica sehen gut aus, fühlen sich wohl und ihre Geschichte ist schon abenteuerlich, schön für beide, dass sie bei dir sein können, KLaus

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  3. Mathilda schreibt:

    Der erste ist ein Rassehund? So einen habe ich neulich fotografiert.
    Es freut mich, das es den beiden bei dir so gut geht, du hast wirklich ein großes Herz für Tiere ♥

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Der 1. ist ein Podenco-Mix. Der Podenco ist ein spanischer Jagdhund. Die gibt es in Spanien wie Sand am Meer. Die sehen alle so aus wie Chica, manche haben nur große stehende Ohren.
      Der 2. ist auch ein Rassehund. Ein Ratonero, das ist ein spanischer Terrier, der gezüchtet wurde, um die Weinkeller rattenfrei zu halten.

      LG Susanne

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    • re56nates schreibt:

      Es gibt auch viele Rassenhund im Tierschutz, das sage ich ja! Erst mal die Tierheime und andere Tierschutzorganisationen durchforsten! Ich kann bei meinem Beruf als Altenpflegerin bei den Wechselschichten und Abruf, jetzt kein Hund halten, das werde ich später wenn ich in Rente bin, tun!

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      • Hilfe für Miranda schreibt:

        Genau so ist es!
        Die Tierheime sind voll, unter anderem auch mit Rassehunden. Die Rasse schützt leider auch keine Hund davor entsorgt zu werden…
        Ich finde es ganz toll, dass Du später im Tierheim nach Deinem vierbeinigen Begleiter schauen willst. Da sitzt bestimmt „Dein Hund“, der soooo sehr auf ein schönes Plätzchen bei Dir wartet!

        LG Susannne

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  4. droegeh schreibt:

    Liebe Susa!
    Es macht Spaß zu sehen, wie du die beiden Hunde vorbildlich erzogen hast. Sie haben bei dir auch alles was man sich wünschen kann. Schade, dass Chica ein Kletter-Hund ist aber ich sah ja selbst wie die Hunde im Süden Europas gehalten werden. Die Harmonie der beiden ist erstaunlich.
    Viel Spaß weiterhin mit Chica und Campa!

    Liebe Grüße kommen vom HEIKO

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Die beiden sind wirklich super tolle Hunde. Ich habe nur gute Erfahrungen mit den spanischen Hunden gemacht. Sie sind immer bemüht alles richtig zu machen und sie sind unendlich dankbar!

      LG Susa
      PS: Campa ist der Kletter-Hund! 😉

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  5. Liebe Susa,
    die Beiden haben sich super entwickelt. Ich hatte auch immer Hunde, die viel durchgemacht haben und nur gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Sie sind so dankbar. Toll finde ich, dass Du nur 1 Spiel hast. Für meine Beiden jetzt hab ich 2 Leckerli-Spielzeuge. So brav warten wie Deine würden die nicht, sind viel zu verfressen. Da hapert´s wohl mit meiner Erziehung. Bin aber auch überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass sowas funktioniert. Dachte 2 Hunde benötigen 2 Spiele. Deine Hunde belehren mich eines Besseren.
    LG Edith und die Fellnasen

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Liebe Edith,

      ich weiß, dass Du immer nur Hunden aus dem Tierheim ein Zuhause gegeben hast. Du hast immer ältere Tiere genommen, die kaum Chancen auf eine Vermittlung hatten. Da kann ich nur sagen Hut ab! 😀

      1 Spiel – 2 Hunde: Mit viel Geduld und in kleinen Schritten habe ich meinen beiden Hunden beigebracht abzuwarten bis sie beim Spielen dran sind. Erst haben sie „Sitz“ und „Bleib“ gelernt. Danach wurde erst das Spiel eingesetzt.

      LG Susa

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  6. kowkla123 schreibt:

    wollte mich nur für den Besuch bedanken und dann gehe ich wieder an den Fernseher, bin im Moment im Sportfiber, KLaus

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