Gesprächsfetzen

In der letzten Woche gab es im Dorf einige Feierlichkeiten, die auch von uns allen ausgerichtet werden mussten. Das war der Grund, weshalb es hier keine neuen Beiträge zu Lesen gab. Ich zeichne in meinem heutigen Bericht ein paar Gespräche auf, um das Tierschutzverständnis der Landbevölkerung zu dokumentieren. Ich möchte damit nicht werten oder gar abwerten. Ich möchte auch nicht behaupten, Stadtmenschen hätten ein besseres oder schlechteres Verhältnis zu Tieren. Es soll nur zeigen, wie wenig sich seit Jahrzehnten im Denken und Handeln der Menschen geändert hat. Außerdem denke ich, dass man sein Geld nicht mit Tieren verdienen kann, ohne dass es auf Kosten der Tiere geht.

Mann: „Du hast das Pferd von Züchter Soundso gekauft?“
Ich: „Ja, woher weißt du das?“
Ich hatte das nie erzählt, weil ich niemanden ans Bein pinkeln wollte, um es mal krass auszudrücken. Schließlich sollte Miranda einfach beim Schlachter entsorgt werden und ich wollte den Züchter nicht schlecht machen.
Mann: „Das hat mir Züchter Soundso selbst erzählt!“
Ich: „Wieso hat er dir das erzählt?“
Mann: „Ich hab früher auch Hannoveraner gezüchtet. Da redet man über die Pferde.“
Ich: „Ach so. Tja, ich habe das nicht erzählt, weil Soundso sie ja schlachten lassen wollte.“
Das schien also Züchter Soundso und dem ehemalige Züchter, mit dem ich mich gerade unterhielt, nicht weiter schlimm zu finden.
Mann:„Wie alt ist die Stute denn?“
Ich: „21 Jahre.“
Mann: „Dann bekommst du kein Fohlen mehr da raus. Das Pferd macht nur immer weiter Kosten!“
Der dachte doch tatsächlich ich wollte mit Miranda weiter züchten!
Ich: „Nee, mit Miranda wird nicht mehr gezüchtet. Die ist bei mir in Rente, bekommt ihr Gnadenbrot.“
Ich ernte ein ironisches Grinsen, sein Blick sagt: Die hat nen Knall!
Mann erzählt von seinen Pferden und Fohlen. 6 Stuten hatte er früher und in einem Jahr 9 Fohlen, mit Zwillingsgeburten. Damals lief das Geschäft noch besser, heute ist es ja schwieriger geworden. Sie verdienten damals sehr gut an den Fohlen. Da kam neben der Landwirtschaft ordentlich was rein.
Ich: „Habt ihr denn die Stuten auch gleich wieder belegen lassen, wenn das Fohlen auf der Welt war? Oder habt ihr die Stute auch mal ein Jahr leer stehen lassen?“
Mann: „Nein, die wurden gleich wieder belegt. Am 9. Tag nach der Geburt.“
Ich: „Findest du das nicht schonender, wenn der Körper der Stute sich ein Jahr erholen darf.“
Mann: „Nein das ist nicht gut! Dann nehmen sie schlechter auf. Die müssen gleich jedes Jahr wieder belegt werden.“
Seine Frau: „Bei uns mussten die Stuten auch noch hochtragend arbeiten. Wir haben erst sehr spät in den 60er Jahren einen Traktor bekommen. Damals mussten die Stuten bis kurz vor der Geburt aufs Feld zum Flügen usw.“
Ich: „Ihr habt also die hochtragenden Stuten noch schwere Arbeit machen lassen?“
Mann: „Ja das macht nichts. Bis ein paar Stunden vor der Geburt haben die gearbeitet“
Frau: „Manchmal, wenn es im Februar sehr kalt war, dann haben wir sie ein wenig geschont.“
Mann: „Und wenn das Fohlen da war, blieb dieses im Stall. Die Mutter ging weiter arbeiten und wurde 3 x am Tag zum Säugen zum Fohlen gebracht. Das ging alles!“

Es waren noch ein paar Pferdezüchter da.
Mann: „Du hast doch die Stute von Züchter Soundso gekauft?“
Ich: „Ja.“
Mann: „Hast du schon gehört? Der hat ja wieder Pech gehabt?“
Ich: „Nein, ich habe nichts gehört. Wieder eine Totgeburt?“
Mann: „Nein, das Fohlen ist tot. Es wurde nur wenige Tage alt.“
Was gedeutet das jetzt für die Stute, fragte ich mich? Ob es Mirandas Tochter war oder eine ihrer Enkeltöchter, bei der das Fohlen gestorben war? Ich weiß es nicht. Den Züchter sah ich vor ein paar Wochen, aber ich fragte ihn nicht, ob er schon Fohlen hätte. Er hat ja in jedem Frühjahr Fohlen. Ich wollte es gar nicht wissen. Ich hoffe nur für die Stute, dass er sie nicht schlachten lässt, weil ihr Fohlen gestorben ist. Bitte, bitte gibt ihr nicht die Schuld und entsorge sie nicht beim Schlachter. Fragen werde ich lieber nicht…

Thema Katzen:
Frau zu Mann am Nebentisch: „Dein Kater wird Vater.“
Ihr Ehemann zu Mann am Nebentisch: „Und das gleich 2 Mal!“
Mann am Nebentisch grinst stolz.
Ich: „Habt ihr weibliche Katzen und die sind tragend?“
Frau: „Ja, zwei Stück.“
Ich: „Und woher wollt ihr wissen, dass es sein Kater war?“
Frau: „Der vom Nachbarn kann nicht mehr, der ist kastriert.“
Es laufen hier so viele unkastierte Kater rum. Mir war die Logig dieser Leute ein absolutes Rätsel.
Ich: „Was macht ihr denn immer mit den Babys? Katzenbabys wird man ja nicht los?“
Ehemann: „Wir wohnen so günstig an einer Straßenkreuzung.“
Ich: „Und da werde die Babys platt gefahren?“
Er nickt und grinst.
Ich: „Wieso lasst ihr eure beiden Mädchen nicht kastrieren. Dann ist Schluss mit den Babys.“
Frau: „Nein, die lassen wir nicht kastrieren. Auf einem Hof gehört Leben und kleine Katzenbabys sind Leben.“
Ja, solange bis sie platt auf der Straße kleben, dachte ich. Das ist auch eine Art der Geburtenkontrolle!
Mann: „Die jungen Katzen werden alle überfahren. Wenn es eine schafft 2 Jahre alt zu werden, dann hat sie es meistens mit der Straße gelernt.“
Ich: „Wie alt sind denn eure beiden?“
Sie überlegen: „Eine 3 Jahre und die andere 2, Mutter und Tochter.“

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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12 Antworten zu Gesprächsfetzen

  1. kowkla123 schreibt:

    Susanne, die Menschen sind so uns so, du findest immer welche „ohne“ Herz und welche mit Herz, sei nicht traurig, es gibt mehr von den Tierliebhabern, alles Gute Klaus

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Die Menschen sollten endlich veraltete Thesen aus ihren Köpfen fegen. Vieles „was man früher immer so tat“, ist heute längst überholt. Die Welt und das Wissen entwickeln sich weiter, dies gilt auch für die Tierhaltung.

      LG Susanne

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  2. Mascha schreibt:

    Mich macht das gerade sehr traurig……

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  3. Liebe Susa,
    die meisten Menschen sind leider so. Sie haben noch nicht einmal Probleme mit ihrer Einstellung. Obwohl ich das weiß, erschüttert es mich immer wieder, so etwas zu hören oder zu lesen.
    Ich wußte nicht, ob ich anklicken soll, dass mir Dein Beitrag gefällt. Was man über diese „Tierhalter „erfährt, kann natürlich nicht gefallen, aber der „Knall“, den Du hast, wird wärmstens zur Nachahmung empfohlen. Vielleicht denkt der eine oder andere ja doch mal nach. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    LG Edith und die Fellnasen

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  4. Rainbow schreibt:

    Ich glaube, man muss es versuchen, allerdings wird da kaum ein Umdenken stattfinden. Wenn man einmal in einem Hühner- oder Putenmaststall gewesen ist, dann haben die Pferde es vergleichsweise gut. Klar sind immer einige dabei, denen die Nutzung über den Tierschutz geht. Auch oder gerade im Sport. So wie es um viel Geld geht, kennt der Mensch keine Freunde… …wenn ich mal „Just for fun“ an einem Turnier teilnehme und dort die verbissenen Gesichter schon bei Kindern sehe, deren Eltern am Rand stehen und wettern, dass der teure Gaul nicht den Erwartungen entspricht und sein Geld nicht wert ist und demnächst zu einer Auktion geht, weil man schon ein neues Sportgerät ins Auge gefasst hat. Dann der Unglaube, wenn mein Pferd sich erschreckt oder einen Freudenbuckler macht und wir nur den letzten Platz belegen und ich mich trotzdem freue, weil eine Sache, die sonst nicht so gut läuft, soooo prima geklappt hat. Wo soll man da anfangen und wo aufhören. Ich denke, man kann es nur vorleben und versuchen besser zu machen. Wir haben unser Pony nicht verkauft, als die Kinder zu groß wurden, auch nicht, als es zu alt zum reiten geworden war. Meine Kinder hätten es NIE erlaubt, wenn wir ihre Freundin verkauft hätten. Wir sehen die Tiere als Familienmitglieder… …allerdings essen wir alle Fleisch, außer meine Tochter, und wissen, das Schnitzel nicht auf den Bäumen wachsen…

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Liebe Rainbow,
      ich finde es ganz wichtig was Du hier geschrieben hast! Es geht nicht nur um die ausrangierten Zuchtstuten, die ihre Schuldigkeit getan haben, wenn sie kein lebensfähiges Fohlen mehr zur Welt bringen können. Es geht um alle Pferde, auch die Sport- und Freizeitpferde. Ein Großpferd kann bis 30 Jahre und mehr werden, ein Pony sogar über 40. Aber wie alt werden unsere Pferde im Druchschnitt? Die meisten, besonders im Sport, nicht einmal 10 Jahre, weil sie beim Schlachter entsorgt werden.
      Ich finde es richtig toll, dass Ihr Euer Pony nicht verkauft habt, als die Kinder zu groß wurden. Ihr zeigt Euren Kindern wie man respektvoll mit Tieren umgeht. Eine bessere Schule kann es für Kinder nicht geben! Auch dass Du Dein Pferd trotzdem lobst, obwohl es nicht so gut lief. Ein Pferd ist ein Lebewesen und kein Sportgerät. Auch das gibst Du an Deine Kinder weiter! Hut ab! 😀

      LG Susanne

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  5. droegeh schreibt:

    Liebe Susa!

    Die Welt auf dem Land ist eine andere, rauhere, Tiere sind Erwerb, bringen Geld, Lebensunterhalt – und, die Bauern wachsen mit dieser Mentalität auf.
    Meine Schwiegermutter arbeitete mit ihrer 1.Tochter, meiner Frau, bis zur Geburt hart auf dem Feld, kurz nach der Geburt musste sie wieder aufs Feld, das kleine Baby stets dabei. Auch auf Menschen wurde wenig Rücksicht genommen. Nur wer arbeitet, ist etwas wert. Mensch wie Tier!

    Liebe Grüße von HEIKO

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Lieber Heiko,

      das Landleben ist ein härteres und früher war es noch viel härter. Das hätte ich wohl nicht ausgehalten. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, nicht in eine Bauersfamilie geboren worden zu sein. 😉
      Heute sind hier viele Nebenerwerbslandwirte. Trotzdem gehen Pferd, Kuh oder Schaf sofort zum Schlachter, wenn sie nicht aufgenommen haben (also nicht tragend sind). Den Tieren gibt man keine 2. Chance. Traurig…
      Traurig auch für Deine Schwiegermutter, die so hart arbeiten musste.

      LG Susa

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  6. wolke205 schreibt:

    Bevor ich noch einen Roman schreibe, sei nur kurz gesagt: Da platzt mir fast der ***** wenn ich sowas höre. Unfassbar. Führt den Tierführerschein ein und sortiert solche ignoranten ************* direkt aus. Mir wird schlecht und die Tiere tun mir einfach nur leid 😦

    Umso mehr freut es mich, dass es Menschen wie Dich gibt, die an das Wohl der Tiere denken mit allen Konsequenzen und sich unermüdlich für sie einsetzen.

    *ganz lieb knuddel*

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Du hast vollkommen recht. Es ist einfach nur schlimm, wie die Leute drauf sind!
      Danke für Dein Lob, liebes Wölkchen! 😀 Ich mache konsequent weiter, egal wie unbeliebt ich mich bei einigen mit meiner tierfreundlichen Haltung mache.

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