Pferde im Winter

Ich habe festgestellt, im Winter sind Pferde unruhiger, nervöser und zickiger als im Sommer. Ich denke es liegt an Langeweile und der fehlenden Bewegung, da sie mehr im Stall stehen müssen.
Miranda kann im Winter richtig zickig werden. Sie zeigt Bachus die Zähne und donnert schon mal mit dem Huf gegen die Abtrennung zu seiner Box. Besonders gern macht sie dies, wenn ich mit dem Futtereimer komme. Also steigt auch der Futterneid im Winter. Dabei würde Bachus ihr nie das Futter streitig machen. Draußen auf der Weide hat sie nie solch Theater gemacht. Aber im Stall muss sie die Zicke raushängen lassen.

Heute war ein ganz verrückter Tag. Überall sahen die Pferde Monster. Dabei schien endlich einmal den ganzen Tag die Sonne! Vielleicht hatten die Pferde vergessen, wie hell die Sonne sein kann? Nach fast 2 1/2 Monaten Dauerregen, konnte ich mich auch beinahe nicht mehr daran erinnern. Irritiert vom hellen Sonnenlicht, das sich in den großen Pfützen auf den Weiden spiegelte, sahen sie überall gefährliche Monster sitzen. Außerdem war es heute wieder sehr windig und Sturmböen gabs auch noch dazu. Die Pferde waren schon heute morgen im Stall extrem nervös. Als ich sie auf die Weide ließ, drehten sie total durch. Beide galoppierten wie wild rum. Eigentlich kann ich erkennen, was der Grund dafür ist. Heute blieb es ein Rätsel für mich. Es waren einfach nichts ungewöhnliches zu sehen. Beide Pferde hatten aber die Köpfe hoch erhoben und schauten in die selbe Richtung. Der Wind trug für sie beunruhigende Geräusche herüber. Ich konnte nichts hören, da die menschlichen Sinne im Vergleich zum Pferd ein Witz sind. Immer wieder brach Panik bei den beiden aus. Sie galoppierten über die Weide, drehten, liefen unruhig ein paar Kurven und schauten in die Richtung, wo das Monster sitzen musste.

Leider galoppiert Miranda in solchen Situationen gern auf mich zu! Ich weiß nicht weshalb sie das macht? Es gefällt mir aber gar nicht. Wenn sie mit hoch erhobenem Kopf, eine Schweifhaltung wie ein edles Araberpferd, wild schnaufend, mit schnellen Galoppsprüngen auf mich zukommt, dann liegen meine Nerven blank. Besonders, wenn ich mitten in der Landschaft rumstehe! Weit und breit nichts, wo ich Schutz finden könnte, der Zaun elendig weit entfernt. Dann frage ich mich, ob sie wohl rechtzeitig bremsen kann, auf dem rutschigen Modderboden???
Eine liebe Tierhschutzfreundin gab mir den Rat, die Arme ganz hoch zu strecken und mit tiefer Stimme: „Hoooooo“ zu rufen. Diesen Trick habe ich angewendet und er scheint wirklich zu funktionieren. Die Pferde bremsen auf alle Fälle früher ab, gehen in einen tänzelden Trab über und bleiben vor mir stehen.
Wieso Miranda immer zu mir gerannt kommt wenn sie Angst hat, ist schon seltsam. Bei Hunden kenne ich das. Die verstecken sich gern mal hinter den Beinen ihres Besitzers, wenn ihnen etwas Angst macht. Aber Pferde?

Draußen kommt also keine Langeweile auf. Wir haben auch im Winter Spaß. Äh, der eine mehr, der andere weniger… 😉
Um den beiden etwas die Langeweile im Stall zu nehmen und ihre gute Laune zu fördern, habe ich ein Heunetz und zwei Salzlecksteine in die Boxen gehängt. So haben sie wenigsten ein bisschen damit zu tun, das Heu aus dem Netz zu friemeln und die Steine werden auch mit Begeisterung angenommen.

Heunetz

Himalaya-Natur-Salzleckstein (sehr beliebt!)

Mineral-Leckstein

Das waren meine Ideen gegen den Zickenalarm!

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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8 Antworten zu Pferde im Winter

  1. droegeh schreibt:

    Liebe Susa!
    Ich kann gut nachvollziehen dass es den Pferden im Stall nicht so gut gefällt, schaue ich mich an – dann fühle ich mich draußen auch viel wohler!! Dann falle ich auch schon mal in einen schnelleren Trab – vor allem nach Regen.
    Angst hätte ich auch, wenn die GROSSE Miranda auf mich zu rennt, da hilft es nur wie man es bei zufälligen Kontakten mit Wildschweinen machen soll: sich größer machen als man ist und laut rufen. Dann ist es also bei Pferden genauso! Gut, dass du keine Stiere hast 😉

    Liebe Grüße sendet der HEIKO

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  2. Eine Art Lagerkoller haben ja viele Leute im Winter, wenn sie nicht raus gehen – warum also nicht die Pferde? 😉

    Merkwürdig – da muss sie irgendetwas beunruhigt haben.
    Vieles bekommen wir Menschen ja gar nicht mit. Ich sehe das auch oft bei meinen Hunden, die sehen oder riechen etwas – das merkt man beiden an – und ich kriege nichts mit 😉

    Kann mir gut vorstellen, dass es nicht so angenehm ist, wenn ein Pferd auf ich zugaloppert…..

    Das mit dem Heu ist eine super Idee!

    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir, liebe Grüße
    Katinka

    PS. *lach* ja, vielleicht kannst Du in ein paar Jahren tatsächlich Wasserschweine halten? ;-))

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Ja, Lagerkoller! Das ist gut! 😉

      Mit Sicherheit bekommen wir Menschen nur die Hälfte von dem mit, was Tiere wahrnehmen. Wir sind halt doch ein bisserl degeneriert! 😀

      Für genug Badewannen für die Wasserschweine hat der Regen schon gesorgt…

      LG Susanne

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  3. wolke205 schreibt:

    Arme Miranda, sie scheint die Seelenverwandte von Shaman zu sein 😉 Wenn er genervt oder gelangweilt ist, reagiert er genauso..hihi…

    Der Tipp ist tatsächlich sehr gut, meist funktioniert er auch. Meist…bei rutschigem Boden auch schon mal nicht..ähem…Auf dem Hof, wo ich ein Jahr gearbeitet habe, gab es immer viele Berittpferde. Unter anderem einen weit über 1,70 m großen Holsteiner-Wallach. Ganz ein lieber. Nur ein wenig dämlich 😉 Er kam grade aus der Halle (direkt am Stall), erschrak und stürmte Richtung Ausgang..da war ich aber grad beim Füttern…Ich stand wie festgewurzelt, mit den Armen rudernd „Halt an Sunny!!“ Bis er das geschnallt hatte..Tja, aber mit Eisen an den Hufen lässt sich nicht gut bremsen auf rutschiger Stallgasse..Also schlitterte er weiter, fast schon auf dem Hintern auf mich zu und kam ungelogen erst dann zum Stehen, als nicht mal mehr ein Blatt Papier zwischen uns passte…Wir haben wohl beide die Luft angehalten vor Spannung, Stirn an Nüstern schaute er mich an und machte mit einmal so ein „Hui..das war knapp“-Geräusch, lach. Die anderen haben sich derweil scheckig gelacht 😉

    Ich find es sehr schön, dass Du Dich so um die Zwei bemühst, damit sie Beschäftigung haben 🙂 Hast Du schon mal über Bodenarbeit etc. nachgedacht? 🙂

    Ganz liebe Grüße

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Echt? Kann Shaman auch die Zicke raushängen lassen? Der sieht so brav aus. Aber meistens habens die brav aussehenden ja faustdick hinter den Ohren! 😉

      Na da hätte ich nicht in der Stallgasse stehen möchten…

      Über Bodenarbeit habe ich tatsächlich schon nachgedacht. Leider weiß ich nicht, wie man mit einem Pferd anfängt zu arbeiten, was 20 Jahre lang nur stumpf auf der Weide stand. Miranda musste ihr ganzen Leben nur als Gebärmaschine herhalten. Mit ihr wurde nie gearbeitet. Alles Neue ist für sie unheimlich. Sie glaubt, die Welt besteht aus einer Weide, einem Stall und einer Besamungsstation, in die sie jedes Jahr gekarrt wurde. Sonst kennt sie nix!

      LG Susanne

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  4. wolke205 schreibt:

    Ich schau mal, welche Bücher z.B. gut wären um den Einstieg in die Bodenarbeit zu erleichtern. Glaub bei meiner Mutter hab ich noch welche, die ich nicht mehr brauche. Die würd ich Dir dann auch zuschicken 🙂 Von Nathalie Penquitt bin ich aber sehr angetan, sie schreibt sehr anschaulich und es lässt sich leicht umsetzen.

    Schade, dass so wenig mit ihr gemacht wurde. Es hätte ihr und ihrem Temperament bestimmt gut getan, auch mal etwas gefordert zu werden. Aber es ist ja nie zu spät 🙂 Vor allem, weil es euch dann auch mehr zusammenschweißt und ihre eure Reaktionen besser einzuschätzen wisst 🙂

    Oh jaaaa, Shaman mutiert dann zur auf-zwei-Beinen-mit-angetackerten-Ohren-stehenden-zu-allen-Seiten-tretenden & giftenden-Superzicke…Ich sollte mal seine alte Box fotografieren..Dort sind noch die riesigen Schlaglöcher zu sehen… 😉

    Ganz liebe Grüße

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  5. Hilfe für Miranda schreibt:

    Das ist total lieb von Dir! DANKE SCHÖN!!! 😀

    Du bist echt ne ganz Liebe!!!

    Dickes Bussi
    Susanne

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