Heu und Ramba Zamba!

Heute holte ich mit dem freiwilligen Helfer Martin Heu für die Pferde. Ich hatte gehofft, mit dem im Spätsommer gekauftem Heu, bis ins neue Jahr zu kommen. Das war aber leider nix. Die Pferde fressen doch mehr als angenommen. Dazu kommt noch, dass Miranda besonders krüsch ist. Was sie nicht fressen will, frisst sie nicht. Wenn ich einen neuen Heuballen anfange, kann ich nie wissen, ob er ihr genehm ist oder nicht. Manches Heu rührt sie einfach nicht an. Sie steckt dann demonstrativ die Nase rein und wirft es mit einem kräftigen Schwung zur Seite. Dann schaut sie mich an, so nach dem Motto: „Los hol anderes Heu, dies hier rühr ich sowieso nicht an!“ Darum ist es besser für mich, immer einige Bund mehr auf Vorrat zu haben.

Also ging es heute morgen zu dem Bauern, bei dem ich schon die erste Lieferung Heu kaufte. Dort bekam ich im Sommer wunderbar duftendes Heu vom 1. Schnitt, in einer super Qualität. Der Bauer hatte noch mehr davon und genau das wollte ich haben. Nur lag leider der 2. Schnitt davor. Eigentlich war es ihm zu umständlich, an den 1. Schnitt heranzukommen, darum versuchte er mir den 2. Schnitt zu verkaufen. Doch für Pferde ist der 1. Schnitt am besten. Mit meinen Überredungskünsten und einem kleinen Bestechungsgeschenk bekam ich doch den 1. Schnitt.
Martins Anhänger ist sehr groß und hat zum Glück eine Plane. Es war zwar trocken an diesem Morgen, aber so unberechenbar wie das Wetter sich schon den ganzen Monat zeigte, konnte es jeden Moment wieder regnen. Der Himmel war von dicken, grauen Wolken bedeckt und es wurde nicht richtig hell. Das Heu musste aber trocken in die Scheune kommen. Das gelang, weil der Wettergott es gut mit uns meinte und der Regen eine Pause machte. Zwei Mal fuhren wir zum Bauern und holten so insgesamt 60 Bund Heu. Dann war es kurz vor 12.00 Uhr und der Bauer wollte nicht noch einmal 30 Bund vom Heuboden runter werfen. Er meinte: „Nun ist Mittag“, und schickte uns vom Hof. Die Mittagszeit ist hier heilig. Da wird gegessen und dann ein Stündchen geschlafen! Um diese Zeit darf man niemanden belästigen, sonst macht man sich total unbeliebt. Das restliche Heu holen wir im neuen Jahr, aber nicht zur Mittagszeit! 😉

Nachdem das Heu in der Scheune ordentlich gestapelt war, ließ ich die Pferde aus dem Stall. Das trockene Wetter musste genutzt werden. Miranda und Bachus konnten aufgrund der schlechten Wetterlage die letzten beiden Tage nicht raus. Als ich sie rausließ, drehte Miranda total ab! Sie galoppierte mit wilden Bocksprüngen über die Weide und schrie wie am Spieß! Bachus ließ sich sogar verleiten mitzumachen. Wobei der sonst immer ruhig und ausgeglichen bleibt. Bald merkte er aber, dass es keinen Grund für so ein Spektakel gab und trotte nur noch hinter Miranda her. Sie ist ja die Leitstute und so bleibt Bachus gar nichts anderes übrig, als zu sehen, wie er hinterher kommt. Miranda drehte noch mal richtig auf. Ich war zuerst wirklich erschrocken, bis ich merkte, dass das reine Lebensfreude war. Miranda hasst es im Stall zu stehen, deshalb freute sie sich jetzt endlich laufen zu können. Leider hatte ich keine Kamera dabei. Eigentlich hätte man das filmen müssen. Ihr hättet sicher gefragt: „Wie alt soll die sein? 20 Jahre? Das glauben wir nicht!“ Wenn diese Stute so aufdreht, sieht sie wirklich nicht wie ein Rentner aus, eher wie ein Rennpferd. So elegant, so voller Kraft und welch eine edle Körperhaltung! Ungestüm, wie ein Wildpferd. Was bin ich froh, dass sie im Normalfall so gut gehorcht und händelbar ist. Wenn sie so austickt, komme ich mir noch viel kleiner und unbedeutender vor, sodass ich noch viel, viel dankbarer bin, weil sie mir gehorcht.

Da Miranda schon so durchdreht, wenn sie ein paar Tage im Stall stehen muss, verstehe ich nicht, wie sie die vergangenen Winter überstanden hat? Der Züchter lässt die Pferde ja den ganzen Winter über in der Box stehen. Wie muss sie nach so einem Winter im Stall, im Frühjahr abgedreht sein, als sie das erste Mal wieder auf die Weide kam? Ohauehaueha würde der Hamburger sagen… Für alle Nicht-Hamburger, das heißt: Das möchte ich nicht erleben! 😉

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Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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3 Antworten zu Heu und Ramba Zamba!

  1. droegeh schreibt:

    Liebe Susa !
    Ich dachte, der Heu-Vorrat reicht, bis das frische Gras wieder wächst……..da sieht man, dass ich keinen blassen Schimmer von Pferden und ihrem Kohldampf habe.
    Aber eines kann ich nachempfinden, wenn ich lange im Stall bin, also im Hause, dann MUSS ich raus – und kann mich dann austoben (in Grenzen). Ich bin auch kein Typ für die „menschlichen Stallungen“, darum kann ich die Freude durchaus nachempfinden.

    Schöne Feiertage dir, Miranda und Bacchus!!
    HEIKO

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  2. wolke205 schreibt:

    Da hab ich s mit Shaman einfacher, der frisst erst mal alles was nach Heu oder Silage aussieht 😉 Dafür ist er beim Wasser krüsch 😉

    Schrecklich, wenn ich mir vorstell wie es für ein Pferd sein muss wochenlang im Stall eingesperrt zu sein. Hier kommen die Pferde jeden Tag raus, insofern kein Unwetter ist etc. Ich kann s mir lebhaft vorstellen wie Miranda über die Koppel tobt 😀 Und das nächste Mal die Kamera nicht vergessen 😀

    Ganz liebe Grüße

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  3. Hilfe für Miranda schreibt:

    Sei froh, dass Shaman nicht krüsch ist. Es ist so schade, wenn so viel Heu übrig bleibt. Ich kann die Reste von Miranda zum Glück an die Schafe verfüttern. Die fressen alles… 😉

    Falls ich die Kamera nicht wieder vergesse, muss ich die aber gleich auf Sportaufnahmen einstellen. Sonst seht ihr nur ne Schwanzspitze auf dem Foto. 😉

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