Hurra die Pferde sind da!

Am 24.06.2011 war es endlich soweit. Die Pferde kamen auf den Erlenhof. Zuerst Miranda, die nach 20 Jahren das erste Mal ihre Weide verließ. Außer zum Belegen, hatte die schöne Fuchsstute nie ihr Zuhause verlassen. Dem entsprechend verstört war sie. Ich hörte sie schon laut schreien, bevor der Wagen überhaupt die lange Zufahrt erreicht hatte.

Als sie aus dem Hänger geführt wurde, schaute sie sich mit Panik-Augen um.

Der Züchter führte sie in den Stall und in ihre Box.

Hier geriet sie erst richtig in Panik. Sie wieherte laut und ihre Augen zeigten die nackte Angst, man konnte das Weiße darin sehen. Ich redete beruhigend auf sie ein – vergeblich. In mir stieg die Sorge auf, wie ich wohl mit ihr klar kommen sollte. Ein Pferd, was so außer Rand und Band war, konnte ich doch unmöglich händeln…

Das Gesicht des Züchters bekam einen immer besorgteren Ausdruck.
Sie hat Heimweh“ sagte er.
Ja, da muss sie jetzt durch„, sagte ich, „sie wird schon schnell merken, dass sie es hier gut hat. Wenn das zweite Pferd erst mal da ist, wird sie sich schon beruhigen. Besser etwas Heimweh und Stress, als in die Wurst„.
Das sagst Du„, jammerte er, „sie war ja immerhin 20 Jahre bei mir.“
Ich konnte es nicht fassen! Der Mann sah aus, als ob er gleich heulen würde… Den sollte einer verstehen. Offensichtlich hing er sehr an dem Tier, konnte sie aber ohne mit der Wimper zu zucken schlachten lassen. Vielleicht dachte er ja auch, dass nur er ein Pferd richtig versorgen konnte? Sicher kannte er Miranda besser. Nach 20 Jahren war das ja klar. Doch was dachte der, weswegen wir diesen ganzen Aufwand betrieben? Doch nur, weil er die schöne Stute einfach wegwerfen wollte. Wir hatten ihr damit das Leben gerettet! Das war der einzige Grund und wohl Beweis genug, dass es hier nur um das Pferd ging. Wer ein unreitbares, altes Pferd kauft, hat ja wohl nur einen Beweggrund: Den Tierschutz oder mit anderen Worten: Die Liebe für das Tier. Allein schon deshalb, kann man davon ausgehen, dass ich immer mein Möglichstes tun werde, damit es den Pferden richtig gut geht. Auch wenn der Stall optisch nicht so schön aussieht, wie der beim Züchter, bekommen die Pferde hier eine liebevolle Betreuung. Sie dürfen einfach nur Pferd sein. Niemand hat irgendwelche Erwartungen oder Ansprüche an sie. Sie müssen nichts leisten.

Der Züchter schien echt ein Problem mit dem Ganzen zu haben. Er rüttelte hier an einem Balken und dort an einer Tür und schaute skeptisch aus der Wäsche. Ihm war alles viel zu „offen“. Sein Stall war professionell auf die Zucht ausgestattet. Die Pferde standen in vergitterten Boxen, die von außen bedient werden konnten. Dies ist zwar sehr praktisch, aber die Pferde können so keinen direkten Kontakt zum Nachbarn aufnehmen. Ich weiß nicht ob das „für die Bequemlichkeit des Menschen“ entwickelte, immer das Beste für die Tiere ist?

Plötzlich wechselte der Züchter das Thema: „So, wollen wir denn jetzt mal das finanzielle regeln?„. Ja das wollten wir. Wir gingen also ins Haus, der Kaufpreis, oder soll ich besser Schlachtpreis sagen, wechselte den Besitzer. Als wir gerade den Kaufvertrag unterschrieben, hörte ich ein Auto. Bachus war da!

Die Jetzt-Wieder-Besitzerin hatte den Transport mit einer Freundin gemacht. Die beiden hatten einen anstrengenden Tag und viele Kilometer hinter sich. Sie luden Bachus vom Hänger und ließen ihn sich erst einmal ein bisschen die Beine vertreten. Da sah ich Bachus das erste Mal. Er ist auch ein Fuchs und passt optisch total gut zu Miranda!

Bachus-vertritt-s-d-Beine-5

Außerdem hatte er die Ruhe weg! Er schaute sich alles sehr ruhig an, als er über den Hof geführt wurde. Nach der zweiten Rund fing er erst einmal an am Gras zu naschen! Dann wurde auch er in den Stall und in seine Box geführt, die ich schon mit Heu und Stroh vorbereitet hatte. Auch hier fing er gleich an zu fressen!

Party-28.08.-Bachus-4

Der Kerl hatte wirklich die Ruhe weg und fühlte sich vom ersten Moment an wohl. Durch die Ruhe die Bachus ausstrahlte, beruhige sich auch Miranda. Aus ihren Augen wich die Angst. Sie versuchte mit Bachus Kontakt aufzunehmen, dazu streckte sie den Kopf über die Boxenwand. Bachus fand aber das Heu interessanter… Miranda gab keinen Mucks mehr von sich und fing auch bald an, am Heu zu knabbern. So verlief die erste Nacht entspannt und friedlich.

Über Hilfe für Miranda

Wir helfen Miranda, einer ausrangierten Hannoveraner Zuchtstute. Wir sind eine kleine Gruppe Privatpersonen, die sich durch den Fall Miranda kennen lernten und eine Hilfsaktion daraus machten! Daraus ist 2015 der gemeinnützige Tierschutzverein "Tierhilfe Miranda e.V." geworden. Miranda bekam Freunde dazu und nun kümmern wir uns ausschließlich um alte und unvermittelbare Tiere. Mit unserem Blog wollen wir auch auf das Schicksal der Zuchtstuten aufmerksam machen. Denn sie landen fast alle beim Schlachter, sobald sie keinen Gewinn mehr bringen. Miranda steht stellvertretend für alle Zuchtstuten, denn auch ihr Weg war schon beschlossen. Mit 20 Jahren und nach zwei Totgeburten, sollte sie geschlachtet werden. Nur weil wir sie freikauften, einen Gnadenbrot-Platz für sie schafften, retteten wir ihr das Leben. Der Blog berichtet aktuell über Mirandas neues, artgerechtes Rentnerleben. Wir möchten niemanden anklagen oder verurteilen, wir möchten nachdenklich machen. Schön wäre ein Umdenken bei Züchtern und Reitern zu erreichen. Wir möchten auch Unterstützung finden. In Form von Mithilfe, Sachspenden und Spenden, damit wir Miranda ein wundervolles Leben ermöglichen können. Sie hat verdient, nach vielen Jahen als Gebärmaschine würdevoll und artgerecht behandelt zu werden. Wir möchten auch, dass jeder der nun weiß, was mit ausrangierten Zuchtstuten passiert, die Geschichte weiter erzählt. Dafür sagen wir DANKE!
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9 Antworten zu Hurra die Pferde sind da!

  1. Edith schreibt:

    Liebe Susanne, schön, dass Dein Bemühen, Miranda zu retten, auch dank so vieler lieber Helfer so schnell zum Erfolg geführt hat. Und dann noch das perfekte Timing. Fast zu Deinem Geburtstag sind die beiden Pferde bei Dir angekommen. Trotz aller Arbeit, die Du nun zusätzlich hast (ich weiss, Du machst sie gern), sind das doch tolle Geschenke. Die Fotos zeigen, dass sich Miranda und Bachus bei Dir wohlfühlen. Ich freue mich für Euch und wünsche Euch viele schöne Jahre miteinander und dass ihr weiter so super unterstützt werdet. Liebe Grüße Edith + Vierbeiner.

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  2. Christa Hartig schreibt:

    Liebe Susanne,

    Du hattest von Anfang an ein Ziel, nämlich, Miranda vorm Schlachter zu retten. Und das hast Du konsequent und zielstrebig verfolgt, trotz aller Widrigkeiten und trotz aller Probleme. Du wolltest sie retten, und Du hast es geschafft, obwohl es anfangs fast aussichtslos schien.
    Es ist schön, wie sich manchmal auf wundersame Weise alles fügt und und sich ein Baustein zum anderen gesellt, wenn man positiv denkt, sich nicht unterkriegen läßt und nicht aufgibt.
    Und nun sind die Pferde da, was für ein wunderbarer Erfolg!
    Und was für ein Gefühl, 2 Tieren, die bisher kein so schönes Dasein geführt haben, nun ein neues, liebevolles Zuhause bieten zu können!
    Du kannst stolz auf Dich sein, daß es soweit gekommen ist!
    Ich wünsche Dir noch viele glückliche Jahre mit den beiden Pferden und hoffe, daß wir auch weiterhin in Kontakt bleiben.

    Liebe Grüße,
    Christa

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  3. Rainbow schreibt:

    Vergitterte Boxen sind bestimmt nicht wirklich pferdegerecht. Ihr habt schon alles richtig gemacht… 🙂 – tolle Bilder, die wirklich ans Herz gehen…

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  4. wolke205 schreibt:

    Bachus ist echt ein „Gemütspferd“ und wirkt sich positiv auf Miranda aus. Andererseits hat sie ordentlich Pfeffer im Hintern und steckt ihn damit öfter mal an 😉

    LG

    PS die Fotos wären schon gut für den Bildband/ Kalender, werd mich die Tage mal weiter durch die Posts wühlen wie viele wir verwenden können 🙂

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    • Hilfe für Miranda schreibt:

      Die beiden sind wirklich total verschieden. Aber Bachus lässt sich nur selten von Miranda anstecken. Wenn die mal wieder abdreht, schaut er nur kurz auf und grast dann meistens einfach weiter. Am Anfang versuchte er immer hinter ihr herzutrotten, da sie ja die Leitstute ist. Doch das wurde ihm bald zu blöd, denn wirklich einholen konnte er sie nicht. Sie hat dann aber auch ein Tempo drauf. Könnte glatt im Rennen mitlaufen! 😉

      Oh da hast Du was zu tun, wenn Du Dich hier durchwühlen willst. Sind doch schon einige Berichte geworden… 😉

      LG Susanne

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